Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (11) Geistesunterscheidung kommt mit Heiligkeit und Erfahrung


Himmelsleiter

 

Die Unterscheidung der Geister ist graduell und verläuft gemäß dem geistlichen Fortschritt des Individuums. Daher beginnt Kardinal Bona mit einem Zitat von Johannes Klimakus:

„1° Die Unterscheidung ist bei den Anfängern und sonst noch Unerfahrenen eine völlige und wahrhafte Erkenntnis des eigenen inneren Zustandes.

2° In den Voranschreitenden ist sie ein Gefühl des Geistes, welches das eigentlich Gute von dem Natürliche und seinem Gegenteil ohne Irrtum unterscheidet.

3° In den Vollkommenen ist sie eine aus göttlicher Erleuchtung entstandene Erkenntnis, welche alles Dunkle in sich und in Anderen klar macht.

Überhaupt, wenn wir Alles zusammenfassen, so wird unter der Unterscheidung verstanden eine sichere und feste Kenntnis des göttlichen Willens zu aller Zeit, an allen Orten, in allen Angelegenheiten, die nur jeden eigen ist, welche reines Herzens, Leibes und Mundes sind.“

Soweit der Hl. Johannes Klimakus (gest. 649), Mönch des Sinaiklosters und Verfasser der Berühmten asketischen Schrift „Die Himmelsleiter“, in welcher er die Stufen des Aufstiegs der Seele zu Gott beschreibt. Schauen wir uns diese Aussagen näher an.

Erster Grad – Die Selbsterkenntnis

Den ersten Grad der Geisterunterscheidung bildet die eigene Selbsterkenntnis, dazu noch ein „völlige und wahrhafte“. Falls jemand das tatsächlich von sich sagen kann, dann hat er das Anfangsstadium erreicht. Diese Art der Erkenntnis muss aber eine wahrhafte Erkenntnis sein, was bedeutet das wir uns selbst weder zu gut noch zu schlecht einschätzen dürfen. Bei sehr vielen Christen ist die Neigung zur Selbstunterschätzung und einer falschen Demut, welche die heilige Theresia von Avila so beklagt, vorrangig.[1] Sie schreibt:

„Die wahre Demut, obschon die Seele sich als böse erkennt und über ihren Zustand Schmerz empfindet, kommt doch nicht in Bestürzung, noch beunruhigt und verdunkelt sie die Seele, auch verursacht sie keine Trockenheit, sondern Tröstung. Sie erzeugt Schmerz wegen der Beleidigung Gottes, aber von der anderen Seite erweitert sie das Herz durch die Hoffnung auf seine Barmherzigkeit. Sie bringt Licht, um sich selber zu beschämen, und preist zugleich Gott, der sie so langmütig ertragen hat. Bei jener falschen Demut dagegen, welche der Teufel hervorbringt, ist kein Licht für irgend etwas Gutes; es scheint, als wolle Gott an alles Feuer und Schwert legen .. . Diese Erfindung des Teufels ist eine der schwierigsten, feinsten und verstecktesten, die ich je an ihm bemerkt habe. (Leben, Kap. 30,7)“

Die Stufe der Selbsterkenntnis aber ist eine völlig natürliche Stufe, welche auch vielen Atheisten, falls Sie mit sich selbst ehrlich sind, erfahrbar ist.

Zweiter Grad – Die Unterscheidung des natürlich Guten vom übernatürlich Guten

Hat die Seele ihre eigene Natur erkannt, so kann jetzt die Erkenntnis dessen folgen, was ihr von Gott durch die Gnade gleichsam von außen zukommt und dessen, was ihren natürlichen Zustand ausmacht. Man kann sich fragen: Bin es immer noch ich oder beginnt Gott an mir zu wirken? Diese Unterscheidung muss ohne Irrtum erfolgen, erst dann ist der Aufstieg zur nächsten Stufe möglich. Die Unterscheidung der zweiten Stufe beschränkt sich aber auf den Unterscheider selbst. Er kann sozusagen das Ich vom Nicht-Ich, d.h. der göttlichen Einsprechung klar unterscheiden. Wie soll das gehen? Indem man sich weitgehend von seinem eigenen Ich freigemacht hat und nicht dadurch, indem man sich im eigenen Ich permanent suhlt, wie uns vom deutschen Idealismus inspirierte gegenwärtige Theologie vorgaukelt, wodurch jede Spiritualität zur „geistlichen, ich-bewußten Wellness“ wird. Siehe Pater Anselm Grün, welcher den Bogen vom Benediktiner zum Esoteriker schaffte.

Dritter Grad – Klare Unterscheidung in sich und in Anderen

Der dritte Grad zeichnet sich dadurch aus, dass die Seele des Unterscheiders dermaßen frei von sich selbst geworden ist, dass sie transparent ist und somit sie die Geistesregungen auch in den Anderen vernehmen kann, weil sie nichts mehr in sie hineinprojiziert. Deswegen konnten die Heiligen einander erkennen, weil sie die Heiligkeit und nicht sich selbst in den anderen vernehmen konnten. Wie kommt man dazu? Durch die Sündenlosigkeit, sprich die Reinheit:

  • Des Herzens – also der Gefühle,
  • Des Leibes – also durch Keuschheit und Askese,
  • Des Mundes – durch Schweigen und gottgemäße Reden.

Anders geht es nicht. Wer in Sünde lebt, wird niemals zu einer Geistesunterscheidung gelangen. So ist es! Den Rest der Ausführungen von Kardinal Bona kann sich jeder selbst durchlesen.

[1] Mehr zum Thema Demut findet sich hier: Scaramelli, Die den Merkmalen des göttlichen Geistes entgegengesetzten Kennzeichen des teuflischen Geistes in Bezug auf die Bewegungen und Akte des Willens http://www.theologisches.net/files/1970_Nr.5.pdf Seite 6.

Kapitel II

Es gibt eine doppelte Gnade: die eine ist die rechtfertigende und gottgefällig machende (gratia gratum faciens); die andere ist die vorzugsweise frei verliehene Gnade (gratia gratis data). – Worin jede der beiden bestehe. – Die Unterscheidung der Geister hat unter den frei verliehenen Gnaden gaben den Vorzug.- Was diese Unterscheidung sei. . Ob sie nach Art einer bleibenden Eigenschaft (habitus) verliehen werden. Es gibt zwei Arten derselben, deren eine von Gott eingegossen, die andere aber als eine Fertigkeit durch Übung erlangt wird.

 

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