Die Schätze des Breviers: Lesungen in der Oktav der Unbefleckten Empfängnis (1)


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Zwar können sich alle unsere Leser diese Texte auf der divinum officium Seite selbst durchlesen, aber es ist auch wahrscheinlich, dass dies kaum jemand tun wird. Das Nachtgebet des Breviers die Matutin, besteht, ohne jetzt in die Einzelheiten zu gehen, aus drei Lectiones – Gebeten, die am Anfang zu verschiedenen Nachtstunden gebetet wurden, bevor sie in Eins zusammengefasst wurden. An Festen und Feiertagen besteht die Matutin aus neun Psalmen, je drei Lectiones, welche, in den Brevieren von 1570 und 1911, also in dem Tridentinischen und dem Divino afflatu Brevier von neun Lesungen gefolgt werden. Es sieht in etwa so aus:

  • Erste Lectio
    1. Drei Psalmen
    2. Drei Lesungen (1-3)
      1. AT
      2. AT
      3. AT
  • Zweite Lectio
    1. Drei Psalmen
    2. Drei Lesungen (4-6)
      1. Predigt
      2. Predigt
      3. Predigt
  • Dritte Lectio
    1. Drei Psalmen
    2. Drei Lesungen (7-9)
      1. Tagesevangelium
      2. Predigt
      3. Predigt/Biographie des kommemorierten Heiligen

Die Lesungen der ersten Lectio stammen meistens aus dem AT und sind auf das Fest bezogen, die Lesungen der zweiten Lectio betreffen ebenfalls das Fest und stammen aus der Feder der Kirchenväter oder der Kirchenlehrer, schließlich machen die Lesungen der dritten Lectio (7) das Evangelium, (8) die Predigt über das Evangelium und (9) die Biographie des kommemorierten Tagesheiligen, also desjenigen Heiligen des niederen Ranges, dessen nur gedacht (commemoratio) wird und dem nicht das eigentliche Fest gilt oder den letzten Teil (9) macht der zweite Teil der Predigt aus. Auf diese Art und Weise kommt der Beter sehr tief in das Geheimnis des Festes, in unserem Falle der Unbefleckten Empfängnis, da er dieses Fest auf mindestens neun Ebenen reflektiert. Und das nannten die „Liturgiereformer“ „unnötige Wiederholung“!!

Wir wollen in der nachfolgenden Oktave die deutsche Übersetzung der Predigten der zweiten Lectio der Matutin, welche vom Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis handeln, vorstellen. Dem Schreiber dieser Zeilen haben sich beim ersten Lesen der Texte der verschiedenen Oktaven spirituell aber auch intelektuell ganz neuen Welten aufgetan und würden unsere Priester dieses Brevier täglich beten, so hätten sie auch Inspirationen für ihre Predigt zum Thema „Unbefleckte Empfängnis“, welche immer auf sich warten lässt: sowohl die Predigt, als auch die Inspiration.

Die heutigen Lesungen stammen aus der Feder des Hl. Hieronymus und von Pius IX und dessen dogmatische Bulle Ineffabilis Deus. Die deutsche Übersetzung stammt vom Erzpriester Dr. Stephan aus Breslau, für dessen Seele man an dieser Stelle auch beten kann: Herr gib ihm die Ewige Ruhe ..

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Lesung 4

Predigt vom heiligen Priester Hieronymus.

Predigt über Mariä Aufnahme.

Wie schön und wie erhaben die heilige und glorienreiche, stets unversehrte Jungfrau Maria ist, wird vom Engel im Auftrag Gottes erklärt, wenn gesagt wird: Sei gegrüßt, Gnadenvolle, der Herr ist mit dir, du bist die Preiswürdigste unter den Frauen. Mit solchen Gaben musste nämlich die Jungfrau wie mit Pfändern ausgestattet werden, auf dass sie voll von Gnaden sei, sie, die dem Himmel Herrlichkeit verschafft, der Erde Gott und den Frieden gewährt, den Völkern den Glauben, den Lastern das Ende, dem Leben die rechte Ordnung, dem Verhalten der Menschen die Anleitung verschafft hat. Und sie wird in richtiger Weise voll genannt, weil bei anderen teilweise Mitteilung geschieht, in Maria aber die ganze Fülle der Gnade sich eingesenkt hat. Sie ist in wahrer Weise voll; denn wenn wir auch an das Vorhandensein der Gnade in den alten Vätern und Propheten glauben, so war es doch nicht in dieser Fülle; in Maria drang aber die Fülle die ganzen Gnade, die in Christus ist, hinein, wenn auch in anderer Weise. Und deshalb sagt er: Du bist die Preiswürdigste unter den Frauen, d.h. mehr preiswürdig als alle Frauen. Und dadurch hat alles das, was an Fluch durch Eva eingedrungen ist, der durch Maria gebrachte Segen weggeräumt. Von ihr sagt Salomon im Hohenlied, gleichsam um sie zu loben: „Komm, du mein Täubchen, du mein Liebling ohne Makel. Denn schon ist vorbei die Winterzeit, vorüber ist der Regen und er ist verschwunden.“ Und dann sagt er: „Komm vom Libanon, komm, du sollst eine Krone erhalten.“

Lesung 5

Nicht mit Unrecht also heißt es von ihr, dass sie vom Libanon kommt, da das Wort „Libanon“ übersetzt wird mit Helligkeit. Sie war doch erhellt mit vielen Vorzügen, die Verdienste begründeten, und den weißen Schnee an Glanz übertreffend, stellte sie infolge der ihr vom Heiligen Geiste gewährten Gaben die Einfalt der Taube in jeder Hinsicht dar, da alles, was in ihr geschah, nur Reinheit und Einfalt, alles nur Echtheit und Lieblichkeit war; alles „Erbarmen und Gerechtigkeit, die vom Himmel herabschaute“; und sie war deshalb makellos, weil sie in nichts entstellt war. Sie hat nämlich „ein männliches Wesen in ihrem Schoß umschlossen“, wie der heilige Jeremias bezeugt, und dieses nicht anderswoher empfangen. „Es wird“, so sagt er, „der Herr etwas Neues schaffen; und eine Frau wird ein männliches Wesen umschließen.“ Es war wirklich etwas Neues und eine alle Neuigkeiten überragende Neuigkeit an Wunderwerken, als Gott – den die Welt nicht tragen und den niemand sehen kann, sodass er lebend bleiben könnte – in einer Weise in den gastlichen Raum des Schoßes eingetreten ist, ohne den körperlichen Verschluss wahrzunehmen; und als er in der Weise getragen wurde, dass er als ganzer Gott darin gegenwärtig war; und als er so daraus hervortrat, dass – wie Ezechiel bekennt – „die Pforte ganz und gar verschlossen blieb“. Darum heißt es in demselben Hohenlied von ihr: „Ein verschlossener Garten, eine versiegelte Quelle bist du; was von dir ausgeht, ist wie ein Lustgarten“. Sie ist wirklich ein Lustgarten, in dem alle Arten von Blumen eingesät sind und alle Wohlgerüche von Tugenden; und so verschlossen, dass er unfähig ist, durch irgendwelche trügerischen Überfälle verletzt oder entstellt zu werden. Also eine Quelle, die versiegelt ist mit dem Siegel der ganzen Dreieinigkeit.

 

Lesung 6

Aus den Entscheidungen des Papstes Pius IX.

Den Sieg, den die jungfräuliche Gottesmutter in ihrer Empfängnis über den grausigsten Feind des menschlichen Geschlechtes errungen hat, den die Aussprüche Gottes, die ehrwürdige Überlieferung, die ständige Überzeugung der Kirche, die einzigartige Einigkeit zwischen den Bischöfen und den Gläubigen, auch die feierlichen Entscheidungen und Verordnungen der Päpste in wunderbarer Weise schon beleuchteten, beschloss Papst Pius IX. in Anpassung an die Wünsche der ganzen Kirche mit seiner höchsten und unfehlbaren Lehrvollmacht in feierlicher Weise der Welt zu verkünden. Daher hat er am 8. Dezember des Jahres 1854 in der Basilika am Vatikan (Peterskirche) in Gegenwart einer ungemein großen Zahl von Kardinälen und Bischöfen der heiligen römischen Kirche, selbst aus den entferntesten Gegenden, und unter freudiger Zustimmung der ganzen Welt in feierlicher Weise erklärt und entschieden: Dass die Lehre, die behauptet, die heilige Jungfrau Maria sei im ersten Augenblick ihrer Empfängnis auf Grund eines einzigartigen von Gott gewährten Vorrechtes von jeder Makel der ererbten Schuld unverletzt bewahrt worden, von Gott geoffenbart sei und deshalb von allen Gläubigen fest und ständig geglaubt werden müsse.

 

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