Buchempfehlung: Romano Amerio, Iota unum.


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Unsere bisherigen Buchempfehlungen machte der Umstand aus, dass die Bücher, die wir empfehlen nicht auf Deutsch veröffentlicht wurden. Dies geschah nicht aus Gründen der Bosheit oder der Überheblichkeit der Blog-Redaktion, sondern es trifft sich einfach so, dass Autoren, die dem Konzil kritisch gegenüber stehen auf Deutsch kaum veröffentlicht werden. Es gibt auch glorreiche Ausnahmen, wie das Buch von Romano Amerio: Iota Unum. Eine Studie über die Veränderungen in der Katholischen Kirche im XX. Jahrhundert, welches im Jahre 1985 auf Italienisch und im Jahre 2000 auf Deutsch veröffentlicht wurde. Der Schreiber dieser Zeilen besitzt die zweite Ausgabe aus dem Jahre 2011, die beim Sarto-Verlag der Piusbruderschaft, für die wir keine Werbung machen wollen, aber manche Bücher sind fast nur dort zu finden.[1]

1728_0Das Buch ist wirklich ein Must have für jeden, der die nachkonziliare Krise von der Warte der thomistischen Philosophie und des gesunden Menschenverstandes nachvollziehen will. Romano Amerio stellt ausschließlich anhand der vatikanischen Dokumente, hauptsächlich des l’Osservatore Romano die Änderungen oder die Neuinterpretationen der katholischen Lehre samt ihren Konsequenzen dar. Da er das Werk 1985 verfasste, obgleich er bis 1997 lebte, so konnte er viele Negativentwicklungen noch nicht vorhersehen, obwohl er die Weichenstellung gut erkannt hat. Dennoch sind in seinem Werk vorhandenen Analysen dermaßen scharf und treffend, dass man sich fragt, warum man selbst vorher nicht darauf gekommen ist, dass der König leider nackt ist. Weil man intelligent und ein guter Beamter sein wollte, so sagten es doch die Betrüger mit den unsichtbaren Fäden im Märchen „Des Königs neue Kleider“: „Ausschließlich intelligente Menschen und gute Beamte konnten sie sehen.“ Es hat sich wirklich seit Grimm-Märchen nichts geändert.

Das Buch besteht in der deutschen Ausgabe aus 738 Seiten und 20 Seiten Indices in 41 Kapiteln, in welchen fast jeder Bereich des kirchlichen Lebens untersucht wird. Wir haben nicht vor diese Kapitel hier zusammenzufassen, wollen aber an dieser Stelle andeuten sagen, dass Iota unum sich eher an Menschen mit einer akademischen und philosophischen Vorbildung richtet, da Amerio sehr viele thomistische und philosophische Termini als bekannt voraussetzt. Der deutsche Herausgeber hat sich leider nicht mit Ruhm bekleckert, denn das Deutsch der Übersetzung ist manchmal sehr gewöhnungsbedürftig, es gibt Tippfehler, nicht ganz exakte Übersetzung der philosophischen Termini und eine insgesamt recht lieblose Herausgabe ohne jegliche Informationen zum Autor. Es lohnt sich aber trotzdem diese Mühen in Kauf zu nehmen, um die Analysen Amerios kennenzulernen.

1994 - Romano AmerioRomano Amerio (1905-1997) war ein schweizerisch-italienischer Philosoph und Konzilsperitus des damaligen Bischofs von Lugano, sowie ein Berater von Kardinal Siri, was eine Empfehlung für sich darstellt.[2] Nach dem Konzil machte er natürlich keine nennenswerte Karriere, wie es scheint, sodass sich hier und da in seinem Werke eine verärgerte Bitterkeit breitmacht. Dennoch tut es dem Iota unum keinen Abbruch, da es von jemanden geschrieben wurde, der eine Leidenschaft für die Wahrheit und die Kirche an den Tag legt, statt des üblichen gelangweilten „sowohl-als-auch-wenn-aber-die-pastoralen-Gründe-dafür-sprechen“-Gesülzes der deutschsprachigen Theologen, die etwas sagen, ohne etwas zu sagen zu haben. Ja, ja, der Teufel ist halt steril. Ein Buch wie Iota unum zeigt auch, wie tief Amerio in der mediterranen Antike, deren gute Elemente in die Kirche Eingang fanden und der romanità bewandert, aber eigentlich beheimatet ist. Das Römische und das Katholische, das für die Nordeuropäer als das Fremdländische den Heiligen Gral darstellt, dies gilt besonders für die deutschen Romantiker, denn fast jeder hatte – wie Goethe – seine Römische oder Italienische Reise, ist für Amerio etwas Selbstverständliches und Gegebenes. Das römische Reich und Italien wurde halt viel früher christianisiert und hat bislang die meisten Märtyrer. Davon zehrt man heute noch, sogar nach Vatikanum II.

Iota unum ist ohne jedes wenn und aber empfehlenswert, es kann tatsächlich mehrmals gelesen und als ein Nachschlagewerk verwendet werden. Beten wir für die Seele von Romano Amerio, denn das Fegefeuer wird er wohl erreicht und vielleicht es noch nicht verlassen haben, da sein Schreibstil von viel Polemik, einer spitzen Zunge und recht viel Zorn zeugt. Da aber sein Werk uns bereichert, so können wir für ihn beten: dreimal Herr gibt ihm den ewigen Frieden …

[1] http://www.sarto.de/product_info.php?info=p1728_Iota-Unum.html Auf Englisch gibt es größere Fragmente umsonst hier: http://www.sspxasia.com/Documents/books/Iota_Unum/index.htm

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Romano_Amerio https://en.wikipedia.org/wiki/Romano_Amerio http://chiesa.espresso.repubblica.it/articolo/45538?eng=y http://www.lms.org.uk/news-and-events/archive/romano-amerio-champion-of-truth

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3 Gedanken zu “Buchempfehlung: Romano Amerio, Iota unum.

  1. Dem Lob von „Iota Unum“ kann ich mich nur anschließen. Besonders interessant fand ich – ebenfalls in der 2.Auflage – die anschauliche Darstellung der Veränderung des Wortsinns der Vokabel „Dialog“ auf den Seiten 104ff., 356ff. die „Verkürzung der Hand“ (brevatio manus) betreffend Ausübung der Autorität (Seite 149ff.) sowie die Überlegungen, ob der „Dialog“ nun immer eine Bereicherung darstellt (Seite 364ff.). Schlichtweg unverzichtbar für die Verlautbarungen der DBK bzw. Äußerungen der Kardinäle Marx, Lehmann und Kasper ist jedoch die Darstellung der sog. „Circiterismen“, der Gebrauch der adversativen Konjunkion „aber“ sowie die Methode der sog. „Vertiefung“. Sehr empfehlenswert ist hinsichtlich des nachsynodialen Prozesses auch das Kapitel „Globalität und Gradualität“, insbesondere die sog. „Punktualität“ des sittlichen Lebens.
    Hier ist der Autor bedauerlicherweise aktueller denn je…

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  2. Hat dies auf Kirchfahrter Archangelus rebloggt und kommentierte:
    Dem Lob von „Iota Unum“ kann ich mich nur anschließen. Besonders interessant fand ich – ebenfalls in der 2.Auflage – die anschauliche Darstellung der Veränderung des Wortsinns der Vokabel „Dialog“ auf den Seiten 104ff., 356ff. die „Verkürzung der Hand“ (brevatio manus) betreffend Ausübung der Autorität (Seite 149ff.) sowie die Überlegungen, ob der „Dialog“ nun immer eine Bereicherung darstellt (Seite 364ff.). Schlichtweg unverzichtbar für die Verlautbarungen der DBK bzw. Äußerungen der Kardinäle Marx, Lehmann und Kasper ist jedoch die Darstellung der sog. „Circiterismen“, der Gebrauch der adversativen Konjunktion „aber“ sowie die Methode der sog. „Vertiefung“. Sehr empfehlenswert ist hinsichtlich des nachsynodialen Prozesses auch das Kapitel „Globalität und Gradualität“, insbesondere die sog. „Punktualität“ des sittlichen Lebens.
    Hier ist der Autor bedauerlicherweise aktueller denn je…

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  3. Gern bin ich Ihrem sehr löblichen Aufruf gefolgt, für die Seelenruhe des Verstorbenen zu beten! Danke für diesen Anstoß!

    Und wie eben gerade hier bemerkt https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/12/04/wir-haben-einen-dritten-ritus-den-anglikanischen-ritus oder noch gleich hier zu bemerken https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/11/18/die-novus-ordo-sakramente-sind-gultig-der-novus-ordo-ritus-ist-mangelhaft-eine-skizze
    ist aber mit der Kritik Amerios zugleich die fsspx völlig legitimiert
    (und wenn sie die Kritik Amerios empfehlen dann ist ihre Ablehnung der fsspx nicht logisch)

    (ja ein wesentlicher Kritikpunkt der fsspx war ja genau wie jener Amerios oder auch Ihrer hier auf dem blog, s. hier https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/12/06/islamischer-bekenntnisstaat-in-deutschland-es-geht-doch/comment-page-1/#comment-219, an DH und deren Anwendung nach dem Konzil, wie etwa ebd. in Fußn. 4 ja auf Amerio verwiesen wird! Und dann eben das Festhalten an der Alten Messe – dazu habe ich nun ja auch schon genug kommentiert, s. auch unter ihrem Artikel „Wir haben einen dritten Ritus“)

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