Wir haben einen dritten Ritus – den anglikanischen


EnglishMartyrs
Märtyrer von England und Wales

[Das Bild zeigt eine „Lokale Besonderheiten Englands aus der Zeit um 1500“ nach Ambrosios auf kath.net: das Hängen von Katholiken in England und Wales ]

Eine wenig beachtete Nachricht auf kath.net berichtet, dass unser Papst Franziskus ab dem 29.12.2015 einen neuen Messritus für die Ex-Anglikaner beschlossen hat.[1] Es gibt also in den drei Ex-Anglikaner Ordinariaten ein neues Messbuch. Wir haben also in der katholischen Kirche, die sich einst bis 1962 einer einheitlichen Liturgie rühmte, die unierten Orthodoxen und die Sonderformen des westlichen beiseite lassend, drei Riten und die gnostisch-neokatechumenale Form dazurechnend eigentlich vier:

  1. Novus Ordo
  2. Vetus Ordo
  3. Anglikanischen Ritus
  4. Sonderform des Neokatechumenats

Ad 1. Novus Ordo Ad 4. Neokatechumenat

Da jede Novus Ordo Messe eine fast unbegrenzte Anzahl von legalen und legitimen Optionen hat,[2] so stellt sich natürlich die Frage, ob es wirklich den einen Novus Ordo Ritus gibt. Aber lassen wir diese Thematik vorerst beiseite. Ebenso wie die „Liturgie“ des Neokatechumentas.

Ad 2. Vetus Ordo

Vetus Ordo Ritus war angeblich nicht verboten, angeblich war er es doch, „die einen sagen so, die anderen so“. Benedikt XVI meinte, dass er war nicht verboten war, brachte ihn aber mit Summorum Pontificum wieder legal in die Kirche zurück. So war er vielleicht doch verboten? Er ist in den Ecclesia Dei Gemeinschaften erlaubt und wehe eine Ordensgemeinschaft kommt, wie die Franziskaner der Immaculata, aus dieser Enklave raus und hat sogar noch Berufungen. Dann wird sie kurzerhand verboten. So einfach ist es.

Ad 3. Der Anglikanische Ritus – wohl Ritus Anglorum zu nennen

Es stellt sich wirklich die Frage, warum man für Konvertiten, die deswegen ihre alte Kirche zurückgelassen haben, um sich der wahren Kirche anzuschließen einen Ritus entwickelt, der Elemente dieser alten Religion enthält? Denn, so sagen die „Macher“, u.a. der Wiener Liturgiewissenschaftler Hans-Jürgen Feulner:

Feulner sagte am Donnertag „Kathpress“ gegenüber, er sehe in der neuen Liturgie nicht nur einen „primären Garant für die dauerhafte Existenz“ der Ordinariate, sondern einen Mehrwert für die ganze Kirche: „Die liturgischen Feierformen nähren und bereichern die römische Liturgie, und sie können Vorbild für künftige Sonderformen von anderen aus der reformatorischen Tradition stammenden Gruppen sein.“[3]

 Dies bedeutet im Klartext:

  1. Mehrere Pfingstler konvertieren, so entwerfen wir für sie, kundenfreundlich und kundenspezifisch, einen Messritus, der die pfingstlerische Elemente enthält: Zungengebet, „Toronto Blessing“, „heiliges Lachen“, „heiliges Bellen“, „heilige-was-weiß-ich-noch“.[4]
  2. Mehrere Calivinisten konvertieren, so wird ein Messbuch mit calvinistischen Elementen: Reprobation-Prädestination entworfen.
  3. Mehrere Lutheraner konvertieren …..
  4. Mehrere Juden konvertieren ….
  5. Mehrere Moslems konvertieren ….
  6. Mehrere Hinduisten konvertieren ….
  7. Mehrere Satanisten konvertieren….
  8. Mehrere Atheisten konvertieren ….

Dieser Logik zufolge, muss alles kundengerecht umgeschrieben werden, wohl damit sie sich die neuen Mitglieder, in manchen Länder auch zahlende Mitglieder, „bei und wohlfüllen“. Es scheint der erste Schritt zu sein, denn:

Feulner: „Es wird deutlich gemacht, dass die Personalordinariate mit ihrer Eigenliturgie nicht ein vorübergehendes Phänomen sind, sondern auf Dauer angelegt sind und einen rechtmäßigen Platz innerhalb der katholischen Weltkirche haben.“[5]

 Aha, gut zu wissen. Wenn man aber das, was man verlassen hat, weil die Missstände unter den Anglikanern sogar für Anglikaner zu groß wurden (Frauenweihe, Homosexuelle Bischöfe etc.), wenn man das Verlassene in der neuen, katholischen Kirche wiederfindet, so fragt man sich natürlich, warum man überhaupt konvertiert ist? Und genau dies wollen die neuen liturgischen Reformatoren, leider mit dem Segen des Papstes, bezwecken. Wenn wir die Ex-Anglikaner nicht an der Konversion hindern können, so setzen wir ihnen etwas vor, was sie abwenden wird. Wenn jemand daraufhin einwendet, dass bei den unierten Orthodoxen die Liturgie auch beibehalten worden ist, so antworten wir darauf, dass dies keine Häretiker, sondern Schismatiker waren und ihre Liturgie schon von der Alten Kirche herstammt. Sie wurde nicht, wie im Anglikanismus durch die Reformen von Cranmer der Fall war, daraufhin entworfen, um mit dem Katholizismus zu brechen. Mehr dazu findet man bei Michaels Davies „Cranmer’s Godly Order“[6], wenn auch wir Davies direkte Übertragung von Cranmer auf das Vatikanum II nicht teilen, denn die Intention war doch ein wenig anders. Warum sollen jetzt in einem katholischen Messritus häretische, denn anglikanische, Elemente vorhanden sein? Einige unserer Leser werden sagen, dass sie im Novus Ordo sowieso vorhanden sind. Dies ist aber eine Interpretationssache. War den der Novus Ordo den Ex-Anglikanern nicht zuzumuten? Hatte man Angst, dass sie sich gänzlich dem Vetus Ordo zuwenden? Wohl schon, da die anglikanische Liturgie viel näher dem Vetus als dem Novus Ordo zu sein scheint.[7] Wie stark heiligen muss doch Vetus Ordo wirken, wenn er so bekämpft wird.

Kath. Net berichtet:

Das neue Missale wie auch schon das im Vorjahr veröffentliche Rituale mit der Tauf-, Trauungs- und Begräbnisliturgie unter der Bezeichnung „Divine Worship“ stellten wichtige Elemente des anglikanischen Erbes dar, das in die katholische Kirche eingebracht werden konnte.

Warum soll man etwas in die katholische Kirche von der Häresie einbringen? Die Kirche hat schon alles. Man will doch irgendwie die armen Ex-Anglikaner verwirren und in die Irre leiten, denn sie scheinen einen Zuwachs von Heiligkeit für die Kirche zu bedeuten. Sollen sie doch die Messen feiern, die in der Kirche zulässig sind. Wenn die Liturgie nur ein wenig „Brimborium“ ist, dann ist es doch gleich, was sie feiern. Nein, es ist nicht gleich, denn Vetus Ordo wirkt sehr heiligend, Novus Ordo weniger, aber dennoch etwas und deswegen musste ein drittes Ordo her, um diese Heiligkeit auszuschalten. In Rom hat man ein sehr feines liturgisches Gespür – nur ein umgekehrtes. Man hat auch in der Amtskirche sehr feine Kommentatoren, die ohne direkt zu lügen, nicht die Wahrheit sagen. So fragt auf kath.net ein Leser:

Stellen die übergetretenen Anglikaner nun so eine Art „unierte Kirche“ innerhalb der katholischen Kirche dar, (wie z. B. die griech.-kath. Kirche)?

 Darauf antwortet der Poster Ambrosios:

Kirchenrechtlich ist das ein bisschen anders, aber faktisch ist das so. Freilich sollte man nicht vergessen, dass auch der anglikanische Ritus letztlich direkt vom römischen Ritus abstammt und nur einige lokale Besonderheiten Englands aus der Zeit um 1500 bewahrt hat (und durch die Reformation einige, wenige Änderungen erfuhr). Solche Besonderheiten haben auch die Ordensliturgien (z.B. die der Dominikaner oder Kartäuser).
Im Grunde kann man die übergetretenen Anglikaner auch als Prä-Petrusbrüder ansehen. Wie man den Petrusbrüder die Tridentinische Messe zugesteht (und damit eine Messform, die das 2. Vatikanum als dringend reformbedürftig ansah), so gesteht man den katholischen Anglikanern eine Messform zu, die das Tridentinum als reformbedürftig ansah.
Wenn es der Verständigung und Befriedung dient, ist dagegen nichts einzuwenden. Außerdem sind wir um eine Rituskirche innerhalb der katholischen Kirche reicher, die den Pflichtzölibat nicht kennt!

 Hier die vorläufige Fehlerliste:

  1. Kirchenrechtlich ist es sehr anders, da die Anglikaner niemals ein Teil der römisch-katholischen Kirche waren, sodass das katholische Kirchenrecht auf sie nicht anwendbar war oder ist.
  1. „Lokale Besonderheiten Englands aus der Zeit um 1500“ die war das Abschlachten von Katholiken unter Heinrich dem VIII und Elisabeth I. Cranmers Reformen, Märtyrer etc. (siehe unser Bild oben).
  1. Ambrosios stellt es so dar, als wäre der „anglikanische Ritus“ ein katholischer, wie bspw. der mozarabische oder dominikanische Ritus, was er niemals war.
  2. „Im Grunde kann man die übergetretenen Anglikaner auch als Prä-Petrusbrüder“ – ein starkes Stück. Die einen waren Häretiker, die anderen katholisch.
  1. Man gesteht also jedem, was er möchte und hat ein weiteres Exponat in seinem Zoo.
  1. „Wenn es der Verständigung und Befriedung dient, ist dagegen nichts einzuwenden.“
  1. „Außerdem sind wir um eine Rituskirche innerhalb der katholischen Kirche reicher, die den Pflichtzölibat nicht kennt!“ Um welche Rituskirche?! Die sind doch ausgetreten und jetzt römisch-katholisch!!! „Das Pflichtzölibat“ – da drückt also den Ambrosius der Schuh, was die Verwirrung seines Geistes oder den großen Zynismus dieser Aussagen erklärt.

Aber so wird man wohl die Sache „zu verkaufen“ wissen, wie man es im Marketing gelernt hat. Vielleicht wollten die armen Ex-Anglikaner ganz normal katholisch werden, aber Rom sagte: „Nein“ ihr werden eine eigene „Rituskirche“. Alles ist möglich. Den Konvertiten macht man es nicht leicht, den eigenen Leuten schon gar nicht. Kyrie eleision (nicht nach Bischof Williamson).

[1] http://www.kath.net/news/53071

[2] Nachgerechnet hier: https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/07/03/dom-prosper-gueranger-osb-leben-und-werk-6/

[3] http://www.kath.net/news/53071

[4] Wie es im Einzelnen aussieht, kann man bspw. hier sehen https://www.youtube.com/watch?v=-0Ii5T2qcsA https://www.youtube.com/watch?v=_wZCifteHtc oder einfach Stichwort „Toronto Blessing“ bei youtube eingeben.

[5] http://www.kath.net/news/53071

[6] Ausschnitte hier: http://www.catholictradition.org/Eucharist/cranmer.htm Zu kaufen hier: http://www.amazon.com/Cranmers-Godly-Order-Destruction-Catholicism/dp/0912141247

[7] http://www.kathtube.com/player.php?id=32965 http://www.kathtube.com/player.php?id=39131

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11 Gedanken zu “Wir haben einen dritten Ritus – den anglikanischen

  1. Auch danke für diesen exzellenten Artikel!

    Sehr treffend übrigens:
    „Vetus Ordo Ritus war angeblich nicht verboten, angeblich war er es doch, „die einen sagen so, die anderen so“. Benedikt XVI meinte, dass er war nicht verboten war, brachte ihn aber mit Summorum Pontificum wieder legal in die Kirche zurück. So war er vielleicht doch verboten? Er ist in den Ecclesia Dei Gemeinschaften erlaubt und wehe eine Ordensgemeinschaft kommt, wie die Franziskaner der Immaculata, aus dieser Enklave raus und hat sogar noch Berufungen. Dann wird sie kurzerhand verboten.“

    Das mit dem „numquam abrogata“ ist ja freilich wirklich so eine Sache.

    So unterschiedliche Persönlichkeiten wie Prof. Georg May und Abbe Cekada kommen ja beide zu dem Schluss, dass der Vetus Ordo rein formalrechtlich-legal (und was die Intention des Gesetzgebers angeht) durchaus abgeschafft und verboten war
    (zumindest war das eben intendiert und eben rein formalrechtlich unzweifelhaft so festgelegt – trotz aller Unkenrufe sowohl von konservativ bis traditioneller Seite etwa einiger FSSP´ler, ICKH´ler etc.oder Traditionalisten wie einiger FSSPX´ler etc., die immer wieder sagen, die Alte Liturgie wäre rein formalrechtlich nicht gültig abgeschafft / verboten worden – wie dann eben auch von Benedikt-Ratzinger plötzlich 2007 behauptete wurde [es sei denn er meinte wie Georg May nicht legitim-rechtsgültig abgeschaftt – obgleich legal-formalrechtlich – da die Neue Messe bzw. deren Einführung offenbar ungerecht und illegitim war, aber das verträgt sich ja nicht damit, dass von Benedikt-Ratzinger ja zugleich die Neue Messe ausdrücklich und sogar als ordentliche Form anerkannt wurde!]!).

    Zu Benedikt-Ratzingers Behauptung hat übrigens kein geringerer als Robert Spaemann, der Ratzinger ja gut kennt und zu seinem Schüler- bzw. Freundeskreis zählt, auf einer liturgischen Tagung in Herzogenrath (Pfr. Rodtheut) einmal bemerkt – ich war selbst zugegen und habe dies selbst so vernommen, also aus erster Hand! – , dass diese Behauptung weniger/nicht den eigentlichen Tatsachen entspreche, sondern vielmehr ein dezisionistischer/voluntaristischer Akt Ratzingers (gewesen) sei, der einfach so im Nachhinein behauptend festlegt und festsetzt, der Vetus ordo sei nie abgeschafft/verboten gewesen, auch wenn dies eben ursprünglich/eigentlich nicht so gewesen war!

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    1. @ dspecht

      Was den Verbot der Alten Messen anbelangt, so können beide Seiten Recht haben, weil sie über verschiedenen Gesichtspunkte sprechen:

      1. Die Tridentinische Messe wurde als solcher niemals abrogiert und deswegen gab es schon unter JP II die Lösung der Indult-Messen, dann stärker ab 1988.
      2. Aber nach der Instructione de Constitutione zum Römischen Missale (von 1971) wird angegeben, dass nur diese Form der Messe erlaubt sei. Das Verwenden des Messbuchs von 1962 wird nur mit Sondererlaubnis der Ortsbischöfe für ältere Priester geduldet.

      Also theoretisch nicht, praktisch schon. Die berühmte pastorale Lösung. In Polen wurde von manchen älteren Priestern die Tridentinische Messe noch vereinzelt bis in die 1980-ger zelebriert.

      https://olrl.org/new_mass/latinmass_cfn.shtml

      Aber ich stimme Ihnen zu, Benedikt wollte einfach Fakten schaffen, was er auch tat. Dennoch wäre ein Indult bei einem absoluten Verbot kirchenrechtlich nicht möglich gewesen. Also die einen sagen so, die anderen so.

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      1. „so können beide Seiten Recht haben, weil sie über verschiedenen Gesichtspunkte sprechen“

        Nein, sie sprechen nicht über verschiedene Gesichtspunkte, sondern beide Seiten sprechen ja über die rein formalrechtliche Seite und beide auch darüber, ob eben rein technisch-formalrechtlich die Alte Liturgie abrogiert (bzw. obrogiert oder derogiert) wurde oder nicht (und es geht hier also auch nicht um „theoretisch“ vs. „praktisch“. Dass praktisch verboten ist eh klar – die Streitfrage geht einzig und allein darum ob auch theoretisch – rein technisch-formalrechtlich gesehen – verboten und abgeschafft)

        „1. Die Tridentinische Messe wurde als solcher niemals abrogiert und deswegen gab es schon unter JP II die Lösung der Indult-Messen“

        Ad ersten Halbsatz: falsch.
        – was bewiesen wird durch den 2. Halbsatz: Denn die „Lösung“ der INDULT-Messen BEWEIST ja, dass der Vetus Ordo abgeschaft bzw. verboten war (abrogiert – oder genauer evtl. de- oder obrogiert…).
        Denn wenn er nicht abgeschafft und verboten worden wäre, dann hätte man zur Feier ja gerade kein INDULT gebraucht!!!

        Der INDULT beweist das Verbot / die Abschaffung.
        Ohne Verbot / Abschaffung wäre kein INDULT nötig, ein INDULT ist immer eine AUSNAHMEERLAUBNIS bei an sich bestehendem VERBOT!!!

        „2. Aber nach der Instructione de Constitutione zum Römischen Missale (von 1971) wird angegeben, dass nur diese Form der Messe erlaubt sei. Das Verwenden des Messbuchs von 1962 wird nur mit Sondererlaubnis der Ortsbischöfe für ältere Priester geduldet.

        Eben, ganau das sage ich doch:
        Der Vetus Ordo war KLAR und EINDEUTIG nach dem Willen des Gesetzgebers (Paul VI – Montini) VERBOTEN (und nur noch die neue Form war erlaubt). Es gab eben nur SONDERERLAUBNISSE für gewisse Priester, aber dies beweist ja gerade das GENERELLE VERBOT!!
        Später wurden mit weiteren Indulten (zuerst das bzw. der „Agatha-Christi-Indult“, dann das/der von 1984) diese SONDERERLAUBNISSE ausgedehnt, das ändert ja gerade aber nichts daran, dass es eben INDULTE, also SONDER- oder AUSNAHMEERLAUBNISSE waren, die somit das GENERELLE VERBOT bestätigen und voraussetzen.

        Es besteht kein Zweifel – und das habe ich auch persönlich mit Prof. May so durchgesprochen und bin mit ihm völlig einig (wie eben auch mit Cekada), und May hat ja darüber auch einen Artikel/Aufsatz veröffentlicht – dass die Alte Liturgie mit Einführung der Neuen formalrechtlich abgeschafft und (generell) verboten wurde.

        „Also theoretisch nicht, praktisch schon. Die berühmte pastorale Lösung.“
        Nein, wie gesagt, das hat mit „theoretisch“ vs. „praktisch“ und auch mit rein pastoral nichts zu tun;
        der Vetus Ordo war nicht nur rein praktisch verboten und abgeschafft, sondern von Anfang an auch rein theoretisch-formalrechtlich.
        Und dann hat man noch AUSNAHMEERLAUBNISSE erteilt – und diese wiederum sowohl praktisch wie theoretisch-formalrechtlich.

        Der Streit geht nur darum, ob eben theoretisch-formalrechtlich die Alte Liturgie mit der Einführung der Neuen abgeschafft und verboten wurde. Und wie eben gesagt, daran kann nicht der geringste Zweifel bestehen (wie eben auch May sagt). Der Indult alleine ist schon Beweis genug, die einführenden Texte zur Neuen Liturgie aber allemal (s.a. den guten Artikel oder die guten Artikel von Cekada dazu).

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      2. „Dennoch wäre ein Indult bei einem absoluten Verbot kirchenrechtlich nicht möglich gewesen.“

        Nein!! – Wie gesagt, genau umgekehrt: Der Indult BEWEIST ja sogar das absolute Verbot.
        Ohne absolutes Verbot wäre ja kein Indult nötig – der Indult zeigt ja an, dass an sich ein absolutes Verbot vorliegt, sonst bräuchte es ja kein Indult zur erlaubten Feier!

        Ein Indult ist eine AUSNAHME vom Verbot, eine SO’NDERERLAUBNIS!!!!

        Gerade das bzw. der Indult ist also WEGEN des absoluten Verbotes kirchenrechtlich möglich, ja sogar zur erlaubten Feier notwendig gewesen. OHNE absolutes Verbot wäre ein Indult vielmehr kirchenrechtlich unmöglich – und unnötig.

        Genau umgekehrt wird also ein Schuh daraus:
        Daraus, dass ich extra ein INDULT — eine SONDERERLAUBNIS, SONDERGENEHMIGUNG — brauchte, um den Vetus Ordo – (offiziell) erlaubt – zu feiern, geht ja hervor, dass er an sich VERBOTEN war bzw. dessen Feier!!!

        (Was, wie gesagt, auch klar aus dem Wortlaut der Einführungstexte der NEuen Liturgie hervorging.
        Ab einem bestimmten Zeitpunkt durfte NUR noch diese gefeiert werden, hat diese die Alte damit ersetzt und somit abgelöst – die Alte war damit rechtlich abgeschafft. Und eben es brauchte daher eine SONDERERLAUBNIS; wollte man dennoch die ALte feiern.)

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  2. Wie ist es denn dann mit den Hl. Messen auf der Grundlage der vor-62er-Messbücher, also so wie sie bis 1955 oder noch früher gelesen wurde? Von einigen Sedisvakantisten werden schon die Änderungen von 1955 und 1962 abgelehnt, da sie ja schon im „neuen Geist“ vorgenommen wurden – von denen, die dann auch den NOM „schufen“. Sind diese Hl. Messen also aus kirchenrechtlicher Sicht (noch immer) verboten?

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    1. Ja, alle Messen nach Messbüchern vor 1962 sind verboten. Die einzig kirchenrechtlich zugelassene Messe ist die von 1962, die Messe des Johannes XXIII.. In ihr, abgesehen von der Auslassung des zweiten Confiteor vor dem Kommunionempfang durch die Gläubigen, gibt es bei der stillen oder der gesungenen Messe selbst keine Unterschiede zum vorigen Missale. Also die einfache Mess ist fast unverändert. Man kann es also auch übertreiben mit der Rückkehr in die Vergangenheit.

      Aber insgesamt gibt es beim Missale des Johannes XXIII., wenn man alle liturgischen Vorschriften insgesamt betrachtet, schon einige liturgische Veränderungen, besonders beim Triduum, welche, unserer Ansicht nach, sehr zum Nachteil ausfallen.

      Über die Änderungen der Messbücher finden Sie hier etwas:
      http://www.traditionalmass.org/articles/article.php?id=18&catname=6

      Leider ist es nicht möglich, außer bei den Sedisvakantisten und wohl nur in UK oder USA, das Triduum in der Form vor 1955 zu erleben.

      Über diese Änderungen können Sie hier nachlesen:
      http://www.newliturgicalmovement.org/2009/05/compendium-of-1955-holy-week-revisions.html#.Vmv72l5_Sss

      Natürlich muss man eine recht gute Kenntnis des Triduums des Vetus Ordo haben, um diese Änderungen überhaupt einschätzen zu können.

      Aber wir finden auch, dass es eine destruktive Salamitaktik war, denn die Reform des Triduums ermöglichte die Liturgiereform als solche und viele Lösungen der Reform von 1955 wurden übernommen. Zum Nachteil unserer aller, leider.

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  3. Vereinzelt haben auch nicht Sedis die vor-pianische Liturgie gefeiert, etwa ein IndulT-Mesten-Kreis in Köln (das weiß ich sicher, aus erster Hand) oder auch – wie ich gehört habe, aber nicht ganz sicher weiß – auch einige Abbes des Instituts CHRISTUS König und Hoherpriester.
    Ob sie dies mit Sondererlaubnis taten oder ohne Erlaubnis weiß ich nicht.
    Ich meine auf rorate caeli oder sonst wo mal gelesen zu haben, dass es bisweilen Sondererlaubnisse gab oder dass das Lesen zumindest von Rom gewußt und toleriert wurde.

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  4. Ad 2. Vetus Ordo

    Vetus Ordo Ritus war angeblich nicht verboten, angeblich war er es doch, … Dann wird sie kurzerhand verboten. So einfach ist es.“

    Nun, allein schon dadurch wird ja klar, dass das Verbot der fsspx und in der Folge dann die Suspensionen nie und nimmer rechtsgültig waren, sondern – schreiendes – Unrecht (der Meinung ist ja auch etwa Prof May, der ja mitnichten in allem einer Meinung ist mit der fsspx – wie auch ich es ja nicht bin!!!).

    Denn ein wesentlicher Punkt der Auseinandersetzung zw. Vatikan und Bruderschaft war ja genau ihr unverbrüchliches Festhalen am Vetus Ordo und ihre Kritik am Novus Ordo
    (die aber in den Anfangsjahren durchaus nicht so weit ginge den Novus Ordo als in sich schlecht darzustellen, ja man erlaubte und empfahl den Seminaristen sogar durchaus, wenn sie keine andere Möglichkeit hatten, in den Ferien an einer Novus Ordo Messe teilnzunehmen, allerdings freilich nur, wenn diese würdig-konservativ gefeiert wurde;
    die Kritik am Novus Ordo war damals also etwa identisch mit der hier auf dem blog vorgetragenen (oder in Publikationen wie etwa von Prof May u/o der UNA VOCE etc.)!)

    Also im Wesentlichen nichts andere, als was etwa dieser blog hier tut.

    Und dann auch die Kritik an anderen konziliaren wie nachkonziliaren Neuerungen resp. Irrungen, etwa der falschen Religionsfreiheit.

    Auch hier nichts anderes als wie auf diesem blog (s. etwa hier https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/12/06/islamischer-bekenntnisstaat-in-deutschland-es-geht-doch; vgl.a. meinen Kommentar dort https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/12/06/islamischer-bekenntnisstaat-in-deutschland-es-geht-doch/comment-page-1/#comment-219).

    Wenn also eine solche Kritik gerechtfertigt ist und auch das Festhalten am Vetus Ordo, dann war die fsspx voll im Recht und ihre Aufhebung und das Verbot der Weihen klare UNRECHT (wie dann eben in der Folge die angeblichen Suspensionen).

    (Qu.e.d.)

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  5. Und gerade das Festhalten am Vetus Ordo wurde ja im Nachhinein eben von Benedikt-Ratzinger gleichsam vollauf, auch offiziell und formalrechtlich, legitimiert mit seiner Aussage des „numquam abrogata“.

    (Dass man dies freilich als historisch nicht haltbar und somit auch kirchenrechlich eigentlich völlig daneben kritisieren kann, dazu s. oben meine vorherigen Kommentare, und dass dann Ratzinger auch nicht logisch ist, wenn er den Novus Ordo als ordentliche Form des Röm. Ritus vorstellt und gleichsam einführt, s. ebendort!)

    Trotz dieser möglichen Kritik muss man aber sagen, dass durch ihn zumindest hochoffiziell das Festhalten an einer Liturgie, welches lange als Ungehorsam weil verboten galt, nun legitimiert wurde und daher nicht mehr als Ungehorsam angehen werden kann (wenn man Ratzinger bzw. seine Worte eben ernst und an-nimmt).

    Somit war also auch die Aufhebung der fsspx aus diesem Grunde illegitim, ja nun nach Ratzinger sogar illegal, weil ja ein wesentlicher Streitpunkt das Unverbrüchliche Festhalten der fsspx am Alten Ritus war!!

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  6. Und Sie bringen ja oben auch das Beispiel der FI (Franziskaner der Immaculata):
    Und auch hier ja das OFFENKUNDIGE UNRECHT.
    Oder ist nun plötzlich kein offenkundiges Unrecht mehr von Seiten des Vatikan??!

    Nun, genau ein solches Unrecht, ja noch ein größeres war damals die Aufhebung des fsspx und das Weiheverbot.

    (Übrigens haben wir ja in der Kirchengeschichte noch ein weiteres Beispiel eins offenkundig ungerechten Aufhebens / Verbots eines Ordensinstituts, nämlich der Jesuiten unter Clemens XIV!)

    Nun, während es aber neben den FI heute noch genügend andere Institute gibt, welche die Alte Liturgie feieren und die Lehre unverkürzt vortragen wollen (und damals bei den Jesuiten ähnlich, sie waren ja nicht der einzige katholische Orden, es gab ja noch die Franziskaner, Dominikaner, Benediktiner,…), so gab es zur Zeit der Aufhebung der fsspx KEIN EINZIGES anderes Institut und Seminar auf der Welt (neben dem Castro Mayers, der aber ja mit der fsspx zusammenarbeitete), das am VETUS ORDO FESTHIELT und KLAR und OFFEN die konziliaren IRRUNGEN angprangerte und somit die UNVERKÜRZTE LEHRE (etwa inkl. CHRISTKÖNIGTUM – im vorkonziliaren Sinn!!!) LEHRTE.

    Daher war es im Gegensatz etwa zu den FI und den Jesuiten hier bei der fsspx nicht nur erlaubt, dieser UNGERECHTEN AUFHEBEUNG und dem WEIHEVERBOT NICHT ZU FOLGEN, sondern es war sogar GEBOTEN.
    Es bestand für Lefebvre die STRENGE PFLICHT (anders hätter er SCHWER GESÜNDIGT!) das UNGERECHTE und daher NICHT RECHTSGÜLTIGE Verbot zu ignorieren und seine Seminaristen nicht in modernistische Seminare zu schicken.

    Die Aufhebung der fsspx und das Weiheverbot war ja sogar doppelt ungerecht damals, denn es war ja nicht nur ungerecht, weil der einzige Grund das unverbrüchliche Festhalten der fsspx am Alten Ritus und deren – BERCHTIGTE – Kritik an den konziliaren und nachkonziliaren „Reformen“ war, sondern weil zugleich auch alle mögflichen Skandale und Häresien bei den gewöhlichen Seminaren ind den Diözesen oder anderen Orden gedultet, ja gefördert wurden, diese also mitnichten aufgehoben wurden (was sie viel eher hätten werden müssen als die fsspx und ihr Seminar!)

    Und wie gesagt, was das Festhalten an der Alten MEsse betrifft, so wurde ja die fsspx sozusagen zusätzlich noch offiziell rehabilitiert durch Bendedikt-Ratzinger, es war nach ihm also KEIN UNGEHORSAM, ja vielmehr die Behauptung Paul VI und der damaligen Bischöfe waren RECHTSBEUGUNG und UNRECHT, die Alte Messe sei verboten und jeder der sie noch feiere sei ungehorsam (wie gesagt, nach den Worten Benedikt-Ratzingers „numquam abrogata“ und „im Prinzip immer erlaubt“)!!

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  7. Und nochmal, ich will es nicht ständig wiederholen, ich spreche nicht pro domo, bin weder Mitglied noch würde ich mich als Anhänger der fsspx bezeichnen (und habe auch einige Kritikpunkte an dieser), sondern dies sind nur ganz klare und offenkundige Sachverhalte;

    und eben wenn Sie zu Recht das alles in ihren Artikeln schreiben (Sie kritisieren die moderne Religionsfreiheit von DH, sie empfehlen Iota Unum, sie kritisieren die Neuen Riten, sie kritisieren das – geradzu himmelschreiende – Unrecht an den FI, sie kritisieren den Neuen Ritus für das „Anglikanische Ordinariat“, sie decken die Häresien und Skandale eines Woelki, eines Marx, etc. auf …- wie gesagt, ALLES VÖLLIG ZU RECHT!!), dann folgt daraus logisch, dass sie auch die Aufhebung der fsspx und das Weiheverbot für Lefebvre als UNRECHT ansehen (und als solches kritisieren) müssten.

    Und damit gäbe es dann auch keine rechtsgültigen Suspensionen, weil ja ein hinreichender Notstand herrscht und herrschte (wie eben auch im letzten Kommentar kurz angerissen), der das Ignorieren dieser UNGERECHTEN Maßnahmen für die fsspx ERLAUBT, ja mehr noch, sogar GEBOTEN macht(e).

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