Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (11) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (3) Verschiedene Terminologie


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In seinen Ausführungen zur Terminologie der verschiedenen Gebetszustände macht Pater Poulain SJ wieder mal deutlich, dass Beten ein „Lernberuf“ ist. Dies ist so zu verstehen, dass man bestimmte Tiefen des Gebetes eigentlich nur dann erreichen kann, wenn wir jemanden haben, der uns dazu anleitet, weil er oder sie auch ein Gebetsleben führt und unsere Zustände mit seinen Erfahrungen abgleicht. Dies ist der ordentliche Weg, die via ordinaria. Daher gingen Schüler zu den ersten Wüstenvätern, die Novizen ins Kloster usw. Da wir aber in Zeiten leben, in denen wir leben, so sind wir, wie viele vor uns auch, auf Gebetsanleitung aus Büchern angewiesen. Früher waren wirkliche Beter, die darüber kommunizieren konnten, auch selten, sodass die Hl. Theresia von Avila auch ihre eigenen Bücher über das Gebet verfassen musste. Es gab natürlich auch vorher Bücher über das Gebet, aber sie waren ihr entweder nicht bekannt oder sie haben ihr nicht geholfen. Die älteste Gebetsanleitung ist, wie vielleicht nicht alles wissen, die Philokalie, welche aus den Apophtegmata also aus den Aussprüchen der Wüstenväter zum Gebet und anderen Themen besteht. Leider war es immer schon so gewesen, dass fortgeschrittenes Gebetsleben selten war, obgleich es wohl so schlimm wie jetzt noch niemals gewesen ist.

Aber alle, die über das Gebet ausschließlich aus den Büchern lernen, weil sie leider keinen geistlichen Leiter haben, laufen die Gefahr diese Bücher misszuverstehen. Denn erstens kann man dazu kommen sich bestimmte Zustände oder Gebetsstufen, die man objektiv nicht hat, aufgrund der Lektüre einzureden. Zweitens kann man leider das Geschriebene erst dann identifizieren, wenn man es selbst gerade erlebt oder noch besser in der Vergangenheit bereits erlebt hat. In der Praxis verhältnis es nämlich sowohl genauso wie es in Büchern beschreiben wurde als auch ein wenig anders. Manchmal erleben wir etwas, ohne es nennen zu können und erst in einem Buch finden wir die richtige Metapher, welche unseren Zustand richtig wiedergibt oder erläutert. Gott ist zwar objektiv und die Stufen des Gebetes sind es auch, aber unsere Natur ist immer eine andere, da sich die Menschen auch im Geistlichen voneinander unterscheiden. So sagte ein Heiliger, dass die Seelen noch viel vielfältiger sind als die Gesichter es sind. Jeder Autor beschreibt ja das Subtilste, Intimste, Geistlichste und Erhabenste, was ihm zuteilwird und er tut es auf eine Art und Weise, welche seine Persönlichkeit oder seine Bildung möglich macht. Daher kommen die terminologischen Unterschiede über die man nicht streiten sollte.

In diesem Kontext soll man die Worte von Pater Poulain SJ versehen, dass die verschiedenen geistlichen Schriftsteller dem Gebet der Einfachheit, wie er es nennt, verschiedene Namen geben. Aber „Zu kleinliche Einleitung verwirrt nur, statt zu helfen.“

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