Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 5 von 8. Das Blutwort nach Thomas von Aquin


Stephanus4

Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

Kommentar 3.3.2

5. Das Blutwort nach Thomas von Aquin

Ferner behauptet der Aquinate zum Thema Konsekration des Blutes in seiner Summa theologica III, q. 78, a.1, sed contra und ad 4.[1]:

„ [Sed contra:] Auf der anderen Seite sagt Ambrosius (4. de sacr. 4.): „Die Konsekration geschieht, durch die Worte, welche der Herr Jesus in seiner Rede gebraucht hat. Denn in dem Übrigen, was da gesagt wird, lobt man Gott, wird gebeten für das Volk, für die Könige, für die übrigen. Sobald man aber zu dem Augenblicke kommt, dass das ehrwürdige Sakrament hergestellt werde, gebraucht der Priester nicht mehr seine Worte, sondern die Worte Christi. Die Worte Christi also vollenden dieses Sakrament.“ […]

Ad 4. Es meinten wohl einige, der Priester könne nicht mit diesen Worten allein das Sakrament herstellen, wenn er die anderen vorhergehenden, im Kanon zumal, auslässt. Doch das ist falsch, wie aus den Worten des Ambrosius hervorgeht und weil der Kanon der Messe nicht überall derselbe ist. Wenn also der Priester nur diese Worte sagte mit der Absicht, das Sakrament zu vollenden, so besteht das Sakrament und würden kraft der Absicht dann die Worte auf die Person Christi gehen, dass der Leib Christi da wäre und nicht der Leib des Priesters. Schwer aber würde der Priester sündigen, der so thäte und den Ritus der Kirche nicht beobachtete. […]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konsekration des Blutes also auch beim „verkorksten“ Blutwort stattfindet und daher die Novus Ordo Messen, bei Beobachtung der vorgeschriebenen Form, Materie und Intention des Spenders gültig sind. Daher hat die Piusbruderschaft, welche die Bedeutung des Blutwortes für die Konsekration dermaßen unterstreicht, dass sie die Gültigkeit der Neuen Messe infrage stellt,[2] unrecht, obwohl sie es, aufgrund der von ihr verlegten Dogmatik von Diekamp-Jüssen, eigentlich besser wissen sollte. Besser wissen sollte es auch Pfr. Cekada,[3] der in der Ungültigkeitsthese Henry Omlor folgt, welcher den berühmten Traktat mit dem Titel Questioning the Validity oft he Masses using the New All-English Canon verfasste.[4] Der Schreiber dieser Zeilen hat Omlor noch nicht gelesen, da aber die eigentliche Sakramentalform beibehalten worden ist und Thomas immer allen anderen vorzuziehen ist, so ist Omlors These irrelevant. Dufgrund der katholischen Dogmatik kann keine Ungültigkeit der Wandlungsworte wegen der fehlerhaften Form „für viele“ behauptet werden.

[1] Übersetzung ist hier zu finden: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel784-1.htm

[2] Diese Schlussfolgerung kann man aus der folgenden Lektüre ziehen. Katholischer Katechismus zur kirchlichen Krise, Jaidhof 2012, 127-129. Es handelt sich um Punkt 65. Ist die neue Messe gültig? S. 129: „Somit haben wir den Wandlungsworten tatsächlich einen Irrtum! Diese mussten zwar die Wandlung nicht unbedingt ungültig machen, vor allem dann nicht, wenn der Priester dass „für alle“ in einem Gläubigen sind versteht, nämlich an als Angebot des Heils für alle. Trotzdem bleibt das Anführungszeichen „für alle“ falsch und begünstigt die Häresie.“ Leider hegen die meisten der Gläubigen der Piusbruderschaft aufgrund solcher Lehren, seien es nur Anspielungen, ernsthafte Zweifel an der Gültigkeit der Neuen Messe und aller Sakramente des Novus Ordo.

[3] Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Ohio 2010, 320-324.

[4] Nachzulesen http://www.the-pope.com/qtv.html

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3 Gedanken zu “Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 5 von 8. Das Blutwort nach Thomas von Aquin

  1. Die Schlussfolgerung oben, dass (somit) die Messe auch mit den „verkorksten“ Blutworten gültig sei, stimmt so nicht – zumindest nicht in dem Sinne, dass sie sicher gültig ist und auch nicht in dem Sinne, dass dies logisch aus den zuvor angeführten Argumenten bzw. Zitaten folgt.

    Denn a) gibt es eine thelogische Mindermeinung, die sagt, dass die Form der Kelchwandlung nicht nur die Worte „hic est enim calix sanguinis mei“ sind, sondern die gesamten Worte von „hic est“ bis „in remissionem peccatorum“.
    Nach dem Grundsatz des Hl. Thomas, den sie in Teil 7 so schon darlegen, dass „[i]m letzten Augenblicke des Aussprechens der Worte der Form [der Konsekration] […] die Verwandlung [geschieht]“ muss man nach dieser Meinung aber schlussfolgern, dass die Wandlung erst nach den Worten „pro multis“ bzw. „pro omnibus“ stattfindet und daher diese noch relevant sein können für die Gültigkeit.
    Und zumindest falls der Zelebrant die Worte „für alle“ in einem anderen Sinne versteht wie „für viele“, also eine Sinnänderung vorliegt, wäre die Wandlung somit ungültig oder doch zumindest zweifelhaft und Gaudron hätte somit REcht.

    Nach dem Grundsatz des Tutiorismus iVm dem Umstand, dass die eben geschilderte Meinung (nämlich dass alles Worte von „hic“ bis „peccatorum“ die Form bilden) eine respektable theologische Meinung ist müsste man die Wandlung in diesem Fall als zweifelhaft gültig betrachten.

    b) Selbst gemäß der Mehrheitsmeinung, nur die Worte „hic est enim calix sanguinis mei“ bildeten die Form, wäre immer noch die SIGNIFICATIO EX ADJUNCTIS zu bedenken. Wenn ich mich REcht erinnere, geht Omlor durchaus auf diesen Punkt ein.

    Dabei spielten dann aber nicht nur die gefälschten Worte „für alle“ eine Rolle, sondern auch alle anderen Änderungen des Wandlungsritus, ja des gesamten Ritus,
    v.a. der Umstand, dass die Worte nicht mehr über den Kelch begeut in einem sakramental-konsekratorischen Stil gesprohen werden, sondern ohne Beugung nur noch erzählend-berichtend,
    iVm dem Umstand, dass auch die Rubrik bzw. Überschrift „Wandlungsworte“ oder „Konsekrationsworte“ durch „Einsetzungsbericht“ ersetzt wurde,
    iVm mit dem Umstand, dass zumindest in den ersten Ausgaben des Neuen Messbuches oder den Entwürfen desselben die Wandlungsworte resp. nun der „Einsetzungsbericht“ nicht mehr durch Fett- u/o Großdruck hervorgehoben wurden,
    sowie der Umstand, dass das „Mysterium fidei“ nicht nur deplaziert wurde, sondern damit verbunden auch einer Bedeutungswandlung unterzogen wurde (etc.),
    woraus man schließen muss oder doch begründet könnte (so dass also mindestens ein Zweifel bzgl. der Bedeutungsänderung der Wandlungsworte ex adjunctis und somit der Gültigkeit besteht), dass die Wandlungsworte nun etwas anders meinen und nicht mehr konsekratorisch (gemeint) sind.
    Damit wäre die Wandlung ungültig oder doch zumindest zweifelhaft.

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  2. Was die DETERMINATIO EX ADJUNCTIS betrifft, so ist der von Ihnen selbst zitierte Thomas Text zu unserer Frage ja durchschlagend.

    Thomas scheint ja genau eine Mittelposition zw. a) und b) einzunehmen bzw. im gewissen Sinne a) zu lehren, nämlich dass die gesamte Formel von „his“ bis „peccatoribus“ die Form bildet
    („Es ist also zu sagen, daß alle diese Worte zur Substanz oder zum Wesen der Form gehören“),
    um dann aber in Richtung b) gehend einzuschränken: „Jedoch wird durch die ersten Worte: „Dieses ist der Kelch meines Blutes“ bezeichnet die Umwandlung selber des Weines in Blut, in der Weise wie es eben gesagt worden ist rücksichtlich der Konsekrationsform des Brotes.“
    – aber eben den engen Zusammenhang mit den folgenden Worten, die er ja sogar als zum Wesen der Form gehörig ausgegeben hat, wie folgt betonend: „Die folgenden Worte aber drücken die Kraft des im Leiden vergossenen Blutes aus, welches in diesem Sakramente wirkt.“

    Damit scheinen die beiden theologischen Meinungen sogar versöhnt, ja harmonisiert und in-Eins geführt (wie das der geniale Doctor so oft tut!) und somit auch genau auch die DETERMINATIO EX ADJUNCTIS in ihr Recht gesetzt.

    Wenn somit die Bedeutung der Worte unmittelbar nach „hic est calix sanguinis mei“ verändert wird, verändert sich – oder kann dies zumindest der Fall sein – auch die Bedeutung der Worte „hic est enim calix sanguinis mei“, genauer gesagt des Wortes „sanguis“, welchem nun eine andere Wirkkraft zugeschrieben wird als ohne die Änderung.

    Wie gesagt, wenn ich mich Recht entsinne (ich habe nicht nachgeschaut), so geht ja Omlor genau darauf ein; zumindest tun dies andere Autoren.

    Daher ist also der Satz
    „da aber die eigentliche Sakramentalform beibehalten worden ist und Thomas immer allen anderen vorzuziehen ist, so ist Omlors These irrelevant.“
    falsch.

    Sie ist schon falsch, wenn man eben nur Thomas folgt wie eben gzeigt (der ja durchaus die These vertritt, alle Worte inklusive der Worte „für viele“ gehörten zur Sakramentalen Form, auch wenn er eine gewisse Einschränkung macht, die aber wie eben gesagt gerade für Omlors These spricht und nicht gegen sie!).

    Erst Recht ist er falsch, wenn man der Meinung folgt, dass die sakramentale Form ohne jede Einschränkung in allen Worten (inklusive der „für viele“) besteht und nicht nur in „hic est enim calix sanguinis mei“.

    Und selbst wenn Thomas „immer allen anderen vorzuziehen ist“, so gilt bei den Sakramenten doch der TUTIORISMUS und solange es neben Thomas noch andere ernstzunehmende Meinungen gibt muss man gemäß diesem Tutiorismus der sichereren folgen, selbst wenn Thomas eine laxere / weitere vertreten würde.

    Aber wie gesagt und eben gezeigt, Thomas vertritt ja sogar die Meinung, dass irgendwie doch alle Worte zur Form der Kelchwandlung gehörten. Wenn man ihn aber so auslegen wollte, dass zwar die anderen Worte nur zur Gültigkeit des Messopfers, nicht aber zur Gültigkeit der Wandlung gehörten, so hätten wir zwar mit den gefälschten Kelchworten eine gültige Wandlung, aber kein gültiges Opfer.
    Oder man müsste sagen, dies sei unmöglich, eine gültige Doppelwandlung sei immer auch ein gültiges Opfer.

    Wie dem auch sei, wie man Thomas hier nun auslegen mag — durchschlagend bleibt, dass hier bei den Sakramenten der Tutiorismus gilt und man Thomas daher nicht folgen darf, wenn es andere strengere Meinungen gibt. Und die gibt es. Die Messe resp. die Wandlung ist daher also zweifelhaft gültig.

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  3. Ich habe mir den Thomas Tex nochmal genau angeschaut.
    Er ist sogar eindeutig.
    Klar sagt Thomas, dass alle Worte (von „Dies ist der Kelch“ bis „tut dies sooft ihr es tut“ ausschließlich) zur Form des Sakramentes gehören und nicht nur die Worte „Dies ist der Kelch meines Blutes“.
    Er weist diese letzte Ansicht ja ausdrücklich zurück und vertritt ausdrücklich die erstere (s. Teil 4) bzw. die von mir oben mit a) bezeichnete.

    Was er dann bzgl. der Worte „hic est enim calix sangiunis mei“ sagt ist dann keine Einschränkung dieser Auffasunge, sondern nur eine genauere Erklräung, was die jeweiligen Worte bezeichnen und wie bzw. warum.

    Wenn also nach Thomas die Wandlung beim letzten Augenblick des Aussprechens der Form geschieht (s. Teil 7), so geschieht sie nach ihm also sicherlich nicht am Ende von „mei“, sondern am Ende von „peccatorum“.

    Also, man muss gar nicht gemäß dem Tutiorimsus andere Meinungen mit berücksichtigen, sondern Thomas selbst vertritt klar diese Meinung.
    Wenn Thomas also „immer allen anderen vorzuziehen ist“, dann muss soager sicher davon ausgegangen werden, dass das „für viele“ durchaus noch zur Form des Sakramentes gehört und daher bei einem Bedeutungswandel dieser Worte das Sakrament / die Wandlung sicher ungültig wäre, zumindest zuhöchst zweifelhaft!!

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