Bäumer, Geschichte des Breviers. (1) Vorwort des Verfassers


rw758sIn unserem unermüdlichen und nicht gerade bescheidenen Bemühen den deutschen Katholiken ihrer eigene Geschichte und Kultur wieder nahe zu bringen, und wer scheint dazu mehr berufen worden zu sein als der Ausländer (siehe Marcel Reich-Ranicki), so wollen wir an dieser Stelle das Vorwort von Pater Bäumer selbst ein wenig einleiten.

Was die Eigenart der Einleitung von Pater Bäumer ausmacht, ist das Fehlen von etwas, was aber in fast allen deutschsprachigen theologischen Werken der letzten 50 Jahre dermaßen selbstverständlich vorhanden ist, dass man es selbst nicht mehr bemerkt. Es fehlt der süffisante, brechtisch-verfremdende, distanziert-ironische Unterton, welcher fast die gesamte nachkonziliare Literatur wie ein Brummen oder zischen im Hintergrund begleitet. Denn, so dieser Unterton, früher war alles schlecht, wenn es den Anschein hatte gut zu sein, dann war es auch schlecht, denn nicht ausreichend (1) sozialkritisch, (2) frauenfreundlich, (3) Minderheiten orientiert, (4) Blah-Blah-Blah und im liturgischen Bereich (1) zur rubrizistisch, (2) das Volk nicht einbindend, (3) zu elitär, (4) Blah-Blah-Blah. So schreiben halt Agnostiker oder Atheisten über die Religion, die sie hassen oder nicht verstehen. Dieser Unterton gilt in Deutschland als das Kennzeichen der aufgeklärten, akademischen Zugehörigkeit, denn man soll ja immer kritisch bleiben allen. Kritisch allem und jedem, hauptsächlich aber dem Lehramt gegenüber, nur nicht gegenüber dem medialen Mainstream den eigenen und der Kollegen Ansichten, da die Letzteren über Stellen und Geldmittel beschließen und verüfen. Ist man aber erst fest angestellt und verbeamtet, so schreibt man nach einer Rudelbildung Theologenmemoranden, welche dann bei den Studenten als „mutig“ gelten. Ein Trauerspiel von unsicheren und jeder Überzeugung baren Menschen.

Bäumer PhotoBei Pater Bäumer jedoch hören wir kein Zischen, sondern lesen so vollgeformte Sätze wie: „Da die katholische Kirche die schönste und vollkommenste Gesellschaft auf Erden ist“, eine Erinnerung an die Definition der Kirche vom hl. Robert Bellarmin – societas perfecta seu hierarchica. Ja, in all der weltlich-diesseitigen Ungenügsamkeit war die Kirche tatsächlich bis ca. 1962 tatsächlich, auch rein äußerlich und weltlich betrachtet, die vollkommenste Gesellschaft auf Erden. Seitdem haben wir eine permanente Krise der Räterepublik, der Gremien, der Synoden, der Verbände und der Pastoralreferentinnen, die auch diesem Wege heiraten wollen. Man merkt am Buch von Pater Bäumer O.S.B., dass er seine Kirche liebt und sein ganzes Werk zeugt davon wie sehr er es tut. Während die heutigen Liturgiker, die in Schwinden sind, manche Lehrstühle können schon jetzt nicht mehr ausgeschrieben werden, entweder die Reformen des Zweiten Vatikans immer noch hochhalten, für kreative Bastelgottesdienste für Kinder kämpfen oder sich in einer spezialistischen Forschung zur Vergangenheit, um ja nicht irgendwo anzuecken, vertiefen, beschreibt Pater Bäumer seine Lebenswirklichkeit eines Betenden und glaubenden Benediktiners. Dieser Innenansicht ist auch die Qualität seines Werkes zu verdanken, ähnlich wie ein Musiker ein Traktat über alte Instrumente schreiben kann, wenn er wenigstens ausreichend gut die heutigen Instrumente der jeweiligen Instrumentengruppe spielt, um die alten Instrumente musikalisch zu erforschen. Wir werden von diesem betenden Zugang des deutschen Benediktiners, der die beneditktinische Arbeitsamkeit mit dem deutschen Fleiß verbindet, noch alle profitieren.

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