Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (4)


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Liturgie wirkt

Spricht man aber von der Wirkung der Liturgie, welche über eine psychologische, eine soziologische oder eine katechetische Wirkung hinausreicht, so wird man schnell eines ‚magischen Denkens‘ bezichtigt. Der Vorwurf des magischen Verständnisses der Sakramente stammt zwar aus der Schatztruhe der Reformatoren, lebte leider in der nachkonziliaren Theologie wieder auf. Wir wollen diese Thematik an einer anderen Stelle behandeln. An dieser Stelle lässt sich dazu so viel sagen, dass Magie tatsächlich Liturgie mit umgekehrten, denn dämonischen, Vorzeichen ist. In der Magie glaubt man durch die präzise Einhaltung der „magischen Rubrizistik“ mithilfe der dämonischen Wesenheiten, die von den Magiern und Esoterikern als real existent angenommen werden, etwas präzise und technisch bewirken zu können und damit die Wirklichkeit zu beeinflussen. In der wahren Liturgie jedoch hofft man durch die präzise Einhaltung der liturgischen Rubrizistik auf diese Weise Gott den gottgewollten Kult darzubringen und auf diese Art und Weise von Gott etwas zu erbitten. Man hat aber, nach dem katholischen Verständnis, auch durch die wahre Liturgie auf Gott keinen Einfluss. Gott bleibt Gott und Mensch bleibt Mensch. In der Magie hingegen ist der Mensch Gott, wozu er sich zuerst unwissentlich, dann aber wissentlich der Dämonen bedient, während sie sich in Wahrheit seiner bedienen. Die Beiträge auf vielen esoterischen Foren sowie auf Seiten über katholische Exorzismen[24] lehren uns, dass diese Begebenheiten durchaus real sind.

Verrichtet man also die gottgewollte Liturgie nicht oder man tut es nachlässig, so

  • beleidigt man Gott, weil man ihm den gebührenden Kult verweigert,
  • man erbittet viel weniger Gnadengabe für die Kirche und die Welt,
  • und man heiligt schließlich viel weniger sich selbst, indem man sich selbst um viele Gnadengaben bringt.

Erst aus diesem Hintergrund heraus wird verständlich, warum Liturgie so wichtig ist. Sie ist deswegen wichtig, weil sie die geistige Speise, im spirituellen, moralischen aber auch intellektuellen Sinne, darstellt, da wir erst mit ihrer Hilfe zum Verständnis und Ansicht der göttlichen Dinge kommen. Daher die Notwendigkeit des liturgischen Gebetes bei den geistlichen Ständen, damit sie den übrigen das weitergeben können, was sie „dort geschaut haben“, um es ein wenig platonisch auszudrücken. Und deswegen hatte die letzte Liturgiereform eine dermaßen verheerende Wirkung gerade auf die Geistlichen und die Ordensleute.[25] Andererseits weiß man aber, dass diejenigen, die am meisten sündigen und sich somit im Reich der Dunkelheit aufhalten, auch am meisten das Heilige und das Liturgische scheuen. Von einer immer größer werdenden Anzahl der Besessenen weiß man, dass diese Menschen wirklich die größten und ungewollten Probleme damit haben überhaupt die Schwelle einer Kirche zu betreten, geschweige denn dort längere Zeit auszuhalten. Psychiatrie ist in diesen Fällen machtlos, da die Betroffenen psychisch gesund sind. Helfen können dabei nur Exorzismen, wie sie beispielsweise in Italien aber auch in Polen immer selbstverständlicher praktiziert werden. Auch von normalen Menschen weiß man, dass sie nach der Sünde das Liturgische scheuen und meistens ein Taedium (Unwille, Abscheu) der religiösen Praxis gegenüber von einer lang anhaltenden, unmoralischen Lebensweise herrührt.

Man braucht sich bloß die offene liturgische Haltung unserer Priester anzuschauen, so weiß man auch gleich um ihr verborgenes Privatleben. Denn das Innere kommt nach außen und das Äußere kommt nach innen. Wenn man also Liturgie lebt, dann liebt man sie, wenn man sie aber nicht lebt, dann beginnt man sie zu hassen.

Eigentlich ist diese oben dargestellte Sichtweise des liturgischen Objektivismus gar nicht so lebensfern und durchaus leicht nachvollziehbar. Denn ist Gott real, so ist auch die Liturgie, der Ort der Gottesbegegnung, real. Jeder kann dies entdecken, der die Liturgie praktiziert und zwar je mehr, desto besser. Und da Dom Prosper Guéranger als Benediktiner der Liturgie leibte und lebte, so ist es die weiter verwunderlich, dass er zu seinen vielen heiligen Einsichten kann.

[24] Z. B. http://exorcismus.org/category/de-deutsch/exorzismen-und-exorzist/

[25] Siehe unseren Beitrag https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/05/21/kommt-ihr-tochter-helft-mir-klagen-wo-sind-die-fruchte-des-konzils-2-weniger-priester/

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