„Kommt ihr Töchter, helft mir klagen“. 3. Niedergang des Ordenslebens (4) Untergang der Männerorden


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 4. Untergang der Männerorden

Ausgehend von den bereits zitierten Angaben von A/M (Amerio, de Mattei) sieht der Niedergang der Männerorden graphisch dargestellt wie folgt aus:

Dokument4(2)Interessanterweise schwand, laut A/M, die Anzahl der Ordensmänner innerhalb der vier ersten Jahre nach dem Konzil um ganze 37 % von 329.799 (1965) auf 208.000 (1969). Dann fiel sie weiter bis auf 165.000 (1977), d.h. um weitere 21 % verglichen mit dem Jahr 1969. Dies bedeutet, dass innerhalb der ersten zwölf Nachkonzilsjahre also des „Konzilsfrühlings“, der „Reformen“, des „Dialogs mit der Welt“, des „Aggiornamento“ etc. beinahe 50 % aller Ordensmänner (genau genommen 48,66%) ihre Ordensgelübde gebrochen haben, wenn man dies mit der Ausgangslage im Jahre 1965 vergleicht.

Eine andere graphische Darstellung zeigt diese Situation folgendermaßen dar:

Ordensmänner 2Die Anzahl der abgefallenen Ordensmänner ist wahrscheinlich an der Zahl vor dem Konzil, beispielsweise aus dem Jahre 1961, gemessen noch viel größer, denn die bereits dargestellt holländische Statistik zeigt, dass der Abfall vom Priestertum und vom Ordensleben bereits 1962 eingesetzt hat und zwar in einem Maß, welches seit der Reformation in der Kirche nicht vorgekommen ist.

Hier nochmals diese Tabelle:

Holland Weihen Aufgaben

Wir verfügen leider über keine vorkonziliaren Statistiken noch über Statistiken von den Anfängen des Konzils für Ordensmänner der ganzen Kirche, aber es ist schwer anzunehmen, dass solch eine große Anzahl, denn im Zeitraum 1965-1977 fast die Hälfte, der Ordensmänner, die ihren Gelübden untreu geworden sind im Moment der Ablegung dieser Gelübde keine Berufung zum Ordensleben gehabt hat. Es ist auch unwahrscheinlich, dass diese große Anzahl der Ordensmänner Jahre und Jahrzehnte lang gegen ihre Berufung lebte, so dass diese massenhafte Apostasie, ungeachtet des Konzils, gerechtfertigt gewesen wäre. Ein solcher Abfall ohne Bezugnahme zum Konzil ist absolut unerklärlich, denn, im Gegensatz zur Information, dem dreißigjährigen Krieg oder der napoleonischen und anderer Säkularisierung, erfolgte keine äußere, außerkirchliche Einflussnahme oder ein Kapitalismus. Interessanterweise ist es das nachrevolutionäre Frankreich, welches einen möglichen Bezugspunkt zu der nachkonziliaren Apostasie bietet. Denn aus der Anzahl des so genannten clergé assermenté, d.h. derjenigen Geistlichen, welche entgegen anders lautenden Weisungen aus Rom, aus Angst vor Schikanen oder aus Überzeugung den Treueeid auf die Verfassung der Republik im Jahre 1790 leisteten, aus dieser Gruppe der 29.000 Priester haben 24.000 Priester ihren Stand verlassen. [6] Dies waren aber eine radikaler Umstand und der äußere Zwang, welche Verfolgungen seitens des revolutionären und antikatholischen Staates zurückgingen. Im Gegensatz dazu hat der staatliche Einfluss in den nachkonziliaren Reformen so gut wie keine Rolle gespielt. Den Befürwortern der These, nach welcher die Aufgabe des Priestertum und der Ordensstandes mit dem Jahre 1968 zusammenhängen, sei an dieser Stelle gesagt, dass die Apostasie einige Jahre vor 1968, denn 1962 und anschließend 1965 einsetzte. Nach der Meinung einiger Soziologen hat gerade das Konzil zu den Umwandlungen von 1968 beigetragen und nicht umgekehrt, weil das Konzil früher war.

Von den Angaben der Agenturen Fides und Cara (C/F) leider erst ab dem Jahr 1970 ausgehend, welche durchaus beschönigt sein können, sieht der nachkonziliaren Niedergang der Männerorden wie folgt aus:

Ordensmänner 3Der sanfte Abfall der Kurve scheint vom Aussterben der älteren Jahrgänge und von fehlenden Berufungen zu zeugen. Interessanterweise fand ein leichter Anstieg der Ordenspriester um das Jahr 1980 statt:

Ordensmänner 4Vielleicht ist dieser Anstieg auf den päpstlichen Boom in Polen zurückzuführen, denn die Agentur Cara gibt leider nicht an, ob sie mit Ordenspriestern bereits geweihte oder auch Novizen und Seminaristen meint. Da wir kein Zugang zu allen Statistiken für diesen Zeitraum haben, so wissen wir nicht welcher Region dieser Zuwachs zu verdanken ist. Westeuropa, die USA und Kanada scheinen aber diesbezüglich ausgeschlossen zu sein.

Die nachkonziliaren Lage der Ordensbrüder sieht hingegen so aus:

OrdensbrüderWir verfügen leider nicht über Statistiken der vorkonziliaren und nachkonziliaren Entwicklung aller Männerorden der Kirche, doch die These vom Einfluss des Konzils auf die Aufgabe der Ordensberufung bestätigt die nachfolgende Grafik, welche die Niedergang des Jesuitenordens in den Jahren 1910-2010 abbildet. [7]

Dokument2(8)Wie man erkennen kann, findet der Einbruch in den Jahren 1965/1966 statt und dauert bis heute an, da man sagt, dass mehrere Jesuiten den Orden verlassen als sterben. Da der Jesuitenorden immer noch der größte Männerorden der katholischen Kirche ist, so kann man annehmen, dass sein Aufstieg und Fall symptomatisch für die vorkonziliaren und nachkonziliaren Entwicklung aller meiner Orden ist. Diese These lässt sich teilweise aufgrund der Statistik zur Lage verschiedener Männerorden für verschiedene Jahre weltweit beweisen. [8] Diese Statistik sieht wie folgt aus:Tabelelle NovizenGrafisch dargestellt sieht diese Entwicklung wie folgt aus:

Männerorden Dass die Ordensberufungen, wenigstens im Westen, weiterhin nicht ansteigen und nicht ansteigen werden, zeugt die nachfolgende Tabelle über die Novizenzahlen aus den USA.[9] Aus ihr wird ersichtlich, dass der Rückgang zwischen 1965 und 2000 gemessen, fast überall 90 % ca. beträgt:

Tabelle OrdenGrafisch umgesetzt sieht die Situation der Novizen in den USA folgendermaßen aus:

Novizen USA

[6] Amerio, 189; Christoph, P., Les choix du clergé dans les Révolutions de 1789, 1830 et 1848, T. I, Lille 1975, 150.

[7] http://nineteensixty-four.blogspot.de/2011/02/changing-jesuit-geography.html za http://cara.georgetown.edu/CARAServices/requestedchurchstats.html

[8] http://www.katholisches.info/2013/06/04/die-entwicklung-der-grosten-katholischen-mannerorden-seit-dem-konzil/

[9] Index of Leading Catholic Indicators, The Church Since Vatican II, Kenneth C. Jones, 2003

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