Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (3)


Benedict XVI, pope emer

Liturgie als Objektivität bei Ratzinger

Die Sicht von der Objektivität der Liturgie ist auch bei Kardinal Ratzinger bzw. bei  Benedikt XVI zu finden.[23] Wir wollen diese Zitate sozusagen als Hommage an die „gute, alte Zeit“ (2005-2013), ja, man muss auch für das Bisschen dankbart sein, die jäh mit seinem Rücktritt endete, hier zur Herzenserwärmung darstellen.

„Aber wo Liturgie nur selbstgemacht ist, da eben schenkt sie uns nicht mehr, was ihre eigentliche Gabe sein sollte: die Begegnung mit dem Mysterium, das nicht unser Produkt, sondern unser Ursprung und die Quelle unseres Lebens ist.“

(Aus meinem Leben, Stuttgart 1998, 172)

„Wo immer man bei liturgischen Besinnungen nur darüber nachdenkt, wie man Liturgie attraktiv, interessant, schön machen kann, ist Liturgie schon verfallen. Entweder sie ist opus Dei mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht.“

(Benedikt XVI, Rede in Heiligenkreuz 2007)

„Ich bin überzeugt, dass die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der  Liturgie beruht, die mitunter sogar so konzipiert wird, ‘etsi Deus non daretur’: daß es in ihr gar nicht mehr darauf ankommt, ob es Gott gibt und ob er uns anredet und  erhört.”

(Aus meinem Leben, Stuttgart 1998, S. 174)

„Die Kritik an der derzeitigen Liturgie ist unüberhörbar geworden. Vielen ist sie nicht mehr heilig genug. Braucht man eine Reform der Reform, um sie wieder heiliger zu machen? Zumindest braucht man wieder ein neues liturgisches Bewusstsein, damit dieser macherische Geist verschwindet.

Es ist ja auch soweit gekommen, daß sich Liturgiekrise für den Sonntag selber die Liturgie zurechtbasteln. Was hier geboten wird, ist sicher das Produkt von ein paar gescheiten, tüchtigen Leuten, die sich etwas ausgedacht haben. Aber damit begegne ich eben nicht mehr dem ganz Anderen, dem Heiligen, das sich mir schenkt, sondern der Tüchtigkeit von ein paar Leuten. Und ich merke, das ist es nicht, was ich suche. Das ist zu wenig, und ist etwas anderes. Das Wichtigste ist heute, daß wir wieder Respekt vor der Liturgie und ihrer Unmanipulierbarkeit haben.

Dass wir sie wieder als das lebendig Gewachsene und Geschenkte erkennen lernen, in dem wir an der himmlischen Liturgie teilnehmen, Daß wir in ihr nicht die Selbstverwirklichung suchen, sondern die Gabe, die uns zukommt.

Das, glaube ich, ist das erste, daß dieses eigentümliche oder eigenmächtige Machen wieder verschwinden und der innere Sinn für das Heilige erwachen muß. In einem zweiten Schritt wird man dann sehen können, in welchem Bereich sozusagen zuviel weggestrichen wurde, so daß der Zusammenhang mit der ganzen Geschichte wieder deutlicher und lebendiger werden muß. Ich selber habe in diesem Sinn von der Reform der Reform gesprochen.

Dies sollte meiner Meinung nach aber zunächst einmal vor allem ein erzieherischer Prozeß sein, der Einhalt gebietet gegenüber einem Zertrampeln der Liturgie mit Selbsterfundenem.“

(Gott und die Welt, S. 447 – 449)

Angeblich sind im frühen Ouevre von Ratzinger auch andere Passagen zu finden, aber man wird ja mit der Zeit weiser, zumal man auch die Auswirkungen seiner eigenen Theologie betrachten kann. Seien wir aber Papst Benedikt XVI vor allem für Summorum pontificum dankbar, welches auf der berühmt-berüchtigten praktisch-pastoralen Ebene eine Aushebelung und Umgehung des Vatikanum II darstellt. Dies haben viele Konservative gar nicht erkannt, die Liberalen umso mehr. Man kann aber wirklich nicht in den deutschsprachigen Ländern behaupten, dass das Summorum pontificum enthusiastisch umgesetzt wird. Denn gerät jemand zufällig in eine Alte Messe und fühlt sich von ihr angezogen, was nicht zwangsläufig geschehen muss, so beginnt er Fragen zu stellen, warum sie wenn nicht gerade verboten, dann zumindest durch die Neue Messe ersetzt worden ist. Dann folgen Fragen, nach dem Konzil, nach dem Vorher und dem Nachher usw. usw. Es stimmt also wirklich: liturgy matters, denn wäre sie gleichgültig, so würde man sie nicht bekämpfen, sondern erlauben, wenn es nichts mehr als etwas mehr „Weihrauch oder Brimborium“ ist, wie es viele alt-progressive Katholiken darstellen. Weil aber das Konzil selbst mit der Liturgiekonstitution angefangen hat, so wird vielleicht irgendwann das nachkonziliare Durcheinander mit der vorkonziliaren Liturgie enden.  Ob wir das erleben werden, steht aber auf einem anderen Blatt. Die neuesten Überlegungen von Kardinal Sarah eine Art Mischform aus der Alten und Neuen Messe zu entwickeln, scheinen in diese Richtung zu gehen, aber sie werden in einer Sackgasse enden, da sie weder von den Anhängern des Alten Ritus noch von den egozentrisch verwöhnten Priestern des Novus Ordo der mittleren oder älteren Generation akzeptiert werden würden. Den einen wird es zu alt, den anderen zu neu sein. Außerdem würde man den Gläubigen wieder eine neue Messe zumuten oder noch eine Option der Zelebration offen lassen. Es ist aber gut zu wissen, dass es einen Kardinal in einer Spitzenposition im Vatikan gibt, welcher eine objektive Sicht der Liturgie vertritt. Denn die Befürworter dieser Sicht sind mehr oder wenigen in partes infidelium (diesmal mit Accusativus directionis) verbannt worden.

[23] Mehr dazu unter http://www.summorum-pontificum.de/texte/ratzinger.shtml

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