Schlußbericht des Nuntius von Österreich aus dem Jahre 1985 und seine Aktualität (3 von 5)


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3. Die Diözesanseminare

Im allgemeinen bieten diese Seminare keine Garantie für eine angemessene Ausbildung der Priesterkandidaten. Dies liegt an der dort herrschenden Permissivität. Die Leiter und die Spirituale sind wohl gut, aber schwach. Die Seminaristen erfreuen sich auf allen Gebieten großer Freiheiten. Nicht wenige beginnen ihre Studien in gutem Geist, aber dann verlieren sie gerade dort, im Seminar, ihre Berufung, entweder durch die liberalen Ideen, mit denen sie konfrontiert werden, oder durch die Kontakte mit Mädchen, die sie entweder in der theologischen Fakultät oder im Seminar selbst treffen, oder aber auch durch die bescheidene Spiritualität, die ihnen beigebracht wird. Die Zahl der Berufungen ist gering und kommt zu einem guten Teil aus den Knabenseminaren, die heute freilich ziemlich fruchtlos sind, da sie in gewöhnliche Gymnasien mit Koedukation umgewandelt wurden. Obwohl ihre Leiter guten Willen zeigen, beklagen sich einige bitter, daß die Früchte ihrer Arbeit dann im Priesterseminar gefährdet oder gar zerstört werden, sodaß sie es wohl vorziehen, daß die dort erweckten Berufungen sich eher dem Ordensklerus als dem Weltklerus zuwenden.

4. Die Orden

Im Bezug auf die Orden muß man nicht nur zwischen Orden und Orden, Kongregation und Kongregation, sondern sogar zwischen Konvent und Konvent unterscheiden. Sehr wenige Berufungen haben die Dominikaner, Jesuiten, Franziskaner, Redemptoristen und noch viele andere. Die Benediktiner weisen eine gewisse Blüte in Kremsmünster und in Göttweig auf, wo hervorragende Äbte es verstanden haben, eine ausgezeichnete Disziplin zu bewahren und zu erneuern. In anderen Abteien mit alten Traditionen (Wien Schottenstift, Melk, Admont, Salzburg St.Peter, Seitenstetten usw.) ist dies nicht so. Die Augustiner Chorherren scheinen sich allmählich zu erholen. Die Karmeliten hatten in den vergangenen Jahren, nach einer langen Periode desStillstandes, einen neuen Aufbruch an Berufungen.

Die unbeschuhten Karmelitinnen sind, zwar ohne übertriebene Schärfen, durch jene Spaltung gekennzeichnet, die man auch in anderen Ländern zwischen strengen Verfechterinnen der Klausur und des beschaulichen Lebens und den Kämpferinnen für eine apostolische Öffnung, die mit der theresianischen Tradition bricht, feststellen kann. Dies ist deshalb schade, weil es dort nicht zahlreiche Berufungen gibt, die für eine Kontinuität ausreichen. Die Schwestern, die sich dem Unterricht und der Krankenpflege widmen, sind wegen Überalterung und Nachwuchsmangel in einer Krise. Einige (Schwestern von Sacre Coeur) sind sehr verweltlicht, andere kämpfen ums Überleben. Traurig ist insbesondere, daß die Spitäler mehr und mehr von den Schwestern aufgegeben werden, obwohl sie dort äußerst wertvolle und geschätzte Arbeit in pastoraler und karitativer Hinsicht leisteten. Es scheint, daß viele weibliche Kongregationen mehr oder weniger die Agitation zu spüren bekommen, die von feministischen Bewegungen innerhalb der Kirche ihren Ausgang nehmen. Diese werden von offiziellen kirchlichen Bewegungen geschürt, und die Seelsorger sind nicht in der Lage, sie zu steuern. Um nicht wegen Konformismus kritisiert zu werden, fördern sie diese in der Tat.

 5. Feminismus

Der österreichische Pastoralrat, der seit vielen Jahren hochangesehen in Wien zu Ende jedes Jahres tagte, wurde nach dem Konzil und unter dem Einfluß von Laientheologen und Laienmitarbeitern des österreichischen Pastoralinstitutes – seit Jahren ist sein Generalsekretär H. Erharter, ein Laie, der in der Öffentlichkeit mehrfach die Enzyklika Humanae Vitae und andere Dokumente des Lehramtes kritisierte – zur Brutstätte verschiedener Revolten (zum Beispiel Aufweichung der Sexualmoral). Die letzte Tagung war dem Thema „Frau Partnerin in der Kirche“ gewidmet. Man sprach von „feministischer Theologie“ (Referent war der holländische Theologe Halkes), vom Zugang der Frauen zu den Weihen, zumindest zum Diakonat, zur Predigt, zur Mitverantwortung mit dem Priester in der Pastoral, von „einem intensiven Dialog mit dem Papst, damit er die westliche Frau verstehe, in ihr keine Gefahr für die Kirche erblicke etc., etc.“ Dies alles wurde lang und ausführlich diskutiert. Kardinal König ermutigte seit Beginn der Tagung, keine Angst vor den Debatten zu haben, an denen mehr als 600 Priester und Laien aus dreizehn Nationen teilnahmen. Der Grazer Bischof Weber versuchte aufzuzeigen, daß die Frauen wohl andere Probleme hätten als zu leitenden Positionen in der Kirche zu gelangen. Der Weihbischof von St. Pölten unterstrich, daß im Neuen Testament das Prinzip „In Christus gibt es weder Mann noch Frau“ klar sei, daß es aber noch nicht in die Praxis umgesetzt sei. Der Bischof von Klagenfurt, Kapellari, sagte schließlich, daß die Kirche bei der Frauenordination durch eine bis heute gängige Praxis gebunden sei, aber daß sich in der Zukunft für die Frauen viele Türen öffnen würden, die heute noch geschlossen seien. Es sei aber nicht die entscheidende Frage, ob man der Frau den Eintritt in bisher verbotene Bereiche gestatten werde, sondern ob sie überhaupt eintreten wolle. Schließlich wurde der Beschluß gefaßt, von dieser Tagung kein offizielles Schlußdokument zu versenden.

Einige Tage später fand in Salzburg eine andere feministische Tagung statt, die stärker vom Protest geprägt war und die auschließlich von Frauen organisiert wurde. An ihr nahmen vielen Frauen aus Deutschland, Schweiz und Österreich teil, und Professor Zulehner aus Wien, Präsident der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen, der die Sache der Frauenbewegung in der Kirche verteidigte. Am Ende feierte man einen Wortgottesdienst und nicht eine Messe, da, wie die Organisatorinnen erklärten, ihnen nicht gestattet wurde, das Heilige Opfer „von Frauen zu halten“.

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