Kardinal Giovanni Bona – eine biographische Skizze.


250px-Cardinal_Giovanni_BonaEr wurde am 12. Oktober 1609 in Mondovi, im Piemont, in einer piemontesisch-französischen Familie eines Berufssoldaten geboren. Obwohl sein Vater für ihn eine Militärlaufbahn vorgesehen hatte, folgte der junge Giovanni (Johannes) seiner Berufung und trat im Alter von 15 Jahren bei den Zisterzienser der italienischen Feuillanten-Kongregation ein. Der genauere Lebensweg des späteren Kardinals kann an anderen Stellen nachgelesen werden.[1] Im Kontext des geistlichen Lebens lässt sich feststellen, dass Johannes Bona wie auch viele andere geistliche Menschen und geistliche Schriftsteller nach außen hin ein recht reges und sicherlich nicht problemloses Leben führte. So lehre er recht schnell nach seiner Priesterweihe (1633) Theologie in der Abtei Madonna di Vicoforte in Mondovì (1636), wurde kurz darauf (1639/1640) Prior von Asti, nach einer fünfjährigen Studienauszeit wurde er wieder Prior von Asti (1645) und Abt von Mondovì (1648). Danach folgte die Tätigkeit als Generalabt der Feuillanten-Kongregation (1651-1654 und 1657-1664), er wurde also das, was man in anderen Orden als Generaloberer bezeichnet. Es folgten darauf leitende Aufgaben in verschiedenen Kurierengremien, in die er vom Papst Alexander VII. Berufen wurde. Der Papst Klemens IX. machte ihn schließlich 1669 zum Kardinal. Viele nahmen an, dass er nach dem Tod des Klemens IX. selbst zum Papst gewählt wird. Er galt als einer der gelehrtesten Männer seiner Epoche, was auch die weltliche Geschichtsschreibung neidlos anerkennen muss. Kardinal Bona im Jahre 1674.

Auf dem Felde der Liturgik ist er für die Werke Tractatus historicus, symbolicus, asceticus de divina psalmodia und Rerum liturgicarum libri II cum disq. de pane azymo et fermentato bekannt, in denen, außer der wissenschaftlichen Gründlichkeit auch die Einfachheit der Wissensvermittlung sichtbar wird. Als asketischer Schriftsteller gab er die folgenden Traktate heraus: I. Manuductio ad coelum; II. De principiis vitae christianae, III. Via compendii ad Deum per motus anagogicos et preces jaculatorias. Sie wurden in viele Sprachen übersetzt. Das Gesamtwerk von Kardinal Bona wurde in den Jahren 1747—53, in sechs Bänden verlegt zusammen mit dem Lebenslauf des Verfassers. Dem breiteren Publikum ist er durch das Werk Die Unterscheidung der Geister bekannt, hauptsächlich deswegen, weil Johannes B. Scaramelli ihn in seiner Anleitung zur Askese öfters zitiert. Teile dieses Werkes von Scaramelli wurden von W. Schamoni als Regeln zur Unterscheidung der Geister herausgegeben, sie sind heute auch noch erhältlich.[2] Gerade über die Letzteren erlangte der Verfasser dieser Zeilen vor vielen Jahren die Kenntnis über die Existenz des Werkes von Kardinal Bona. Das digitale Zeitalter macht es uns möglich längst vergriffene Werke wieder zu lesen und anderen zugänglich zu machen, was wir auch tun wollen.

225px-Heiligenkreuz.Bernard_of_ClervauxBetrachtet man das Leben von Kardinal Bona und liest man nebenbei noch seine Schriften, so stellt sich die Frage, wie ein solch vielbeschäftigter Mann, mit Leitungsaufgaben betraut, in vielen Gremien tätig, mit vielen Konflikten konfrontiert, von den Sünden, die es auch vor dem Konzil gab, ganz zu schweigen, solch eine Dichte und Qualität des eigenen geistlichen Lebens erreichen konnte, die er auch in seinen Schriften vermittelt. Die Belesenheit des Kardinals in den geistlichen Schriftstellern ist nicht nur beeindruckend, sie ist nicht nur durchgearbeitet, sondern am eigenen Leib und Seele erlebt. Auch in seinem Falle könnte man sagen: Qui Bona legit, nihil non legit – „Wer Bona liest, liest einfach alles“, eine Sentenz die eigentlich auf Dionysius Carthusianus gemünzt wurde.[3] Kardinal Bona schreibt auch selbst, dass nur derjenige der es erlebt hat, es auch verstehen wird. Sein Werdegang bestätigt auch die Regel, dass zum kontemplativen Weg eher die Seelen gelangen, welche von der Vorsehung und nicht vom eigenen Aktivismus zum tätigen Leben bestimmt wurden, als diejenigen Seelen, die ein beschauliches Leben führen wollen. Sicherlich hat Kardinal Bona von einem beschaulichen Leben geträumt, als er in einen beschaulichen Orden eintrat. Doch in seinem Falle wurde ihm das beschauliche Leben auf einem Wege der aktiven, äußeren Tätigkeit verliehen. Seine Entwicklung soll für uns alle ein Trost und eine Lehre sein, wenn wir davon träumen sollten uns dem Eremitentum zuzuwenden als gerade das zu tun, was wir halt zu tun haben. Es bleibt dabei zu denken, dass Gott durch alles heiligt und führt auch durch die unendlich langweiligen Gremiensitzungen oder aktive Berufstätigkeit, die manchmal überhaupt nichts mit dem inneren Leben zu tun hat.

Die Unterscheidung der Geister von Kardinal Bona erinnert durchaus an einen edlen, hochprozentigen Cognac oder an einen dreißigjährigen Whiskey, die man wirklich ganz langsam und portioniert zu Kosten hat, um sich nicht daran zu berauschen. Es ist eine Schrift, welche man wie Die Nachfolge Christi eigentlich täglich lesen sollte, weil man im Eifer des täglichen Gefechts vieles ohnehin vergisst und verlernt. Daher werden wir das Werk seiten- oder abschnittsweise präsentieren, damit unsere Leser seine Inhalte aufnehmen und meditieren können. Wir hoffen, dass diese Lektüre reiche, geistliche Früchte bringt, der letztendlich ist jeder vornehmlich für das Heil seiner eigenen Seele, der Begriff „Heilsegoismus“ ist extrem modernistisch und irrgläubig, verantwortlich.

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Bona http://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Bona http://it.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Bona http://www.bbkl.de/lexikon/bbkl-artikel.php?art=./B/Bo/bona_g.art

[2] http://www.amazon.de/Regeln-Unterscheidung-Geister-Wilhelm-Schamoni/dp/3939684368

[3] Dionysius Carthusianus, Messerklärung. Dialog über das Altarsakrament, (Hrsg. und übersetzt) Barthold, Claudia, Mülheim-Mosel 2011, 27.

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