Eugenie Roth, Das Mantilla-Experiment (4 von 4)


Mantilla with me

Mantillageschichten

Tag 7:

Weiterer Verlauf: An weiteren Tagen (für die Zähnung „Tag 7“) – scheinen die anderen Gottesdienstbesucher erst „richtig“ auf die Mantilla aufmerksam zu werden. Jemand, der sich auskennen sollte meint, sowas sei doch überhaupt nicht nötig (die Mantilla ist meines Wissens ein Sakramentale, ebenso wie der Rosenkranz und das Weihwasser, und eine Kopfbedeckung war für Frauen bis zum Vatikanum II verpflichtend während des Gottesdienstes zu tragen), jemand anders, ich solle doch die Mantilla unter dem Kinn binden, weil die Enden beim Gehen hin und her schwanken …

Und: Nein, ich werde mich dadurch nicht davon abbringen lassen, die Mantilla zu tragen. Und ich werde die Mantilla auch nicht unter dem Kinn binden, obwohl mir ein orthodoxer Christ gesagt hat, dass das die Frauen bei ihnen wohl tun. Aber ob die eine so feine Mantilla tragen oder einfach ein Kopftuch? – Vermutlich schon, denn dieser Mann hat mir früher einmal eine Mantilla gezeigt, die er für eine Frau aus seiner Gemeinde besorgt hatte. …

Tag 8:

Und dennoch überlege ich mir bei der nächsten Gelegenheit, ob ich denn überhaupt noch Lust(!!!) habe, die Mantilla zu tragen. Nein. Zu dem Zeitpunkt definitv nicht.

Aber: Die Mantilla ist ein Sakramentale. Der Teufel hasst so etwas. Also: AUFLEGEN!!! Das war dann gleich ein Mantilla-„Marathon“, da nach dem Gottesdienst noch Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten war. Zwischendurch immer wieder der Gedanke, nach der Heiligen Messe die Mantilla abzunehmen. Was? Wirklich? – Nein, das kommt gar nicht in Frage! – Und es war gut, dass ich die Mantilla aufbehalten habe. Der innere Kampf hat sich gelegt …

Tag 9 (gewissermaßen):

Ich sitze im Novus-Ordo-Gottesdienst. Da heute ausnahmsweise ein anderer Priester die Heilige Messe hält als sonst*, sitze ich an meinem ansonsten üblichen Platz, nicht vorne, von wo man aus in wenigen Schritten an den Ambo treten kann. Da spricht mich nach dem Gottesdienst eine Frau aus der Bank hinter mir an, was ich denn hier hinten zu suchen hätte und ich bräuchte gar nicht so zu frömmeln und mich (im Vetus Ordo-Gottesdienst) zu verschleiern, diese Messe sei kein Automatismus, bessern müsse man sich schon selbst. Nachdem sie auf meine Frage erklärt hat, wie sie zu dieser Anschuldigung kommt (sie ist völlig unbegründet, die Frau hat falsche Rückschlüsse gezogen), vermute ich zu wissen, warum ich immer wieder dazu geneigt bin, die Mantilla im Vetus-Ordo-Gottesdienst weg zu lassen. Habe ich ihre Abneigung und Vorurteile gespürt? Ich versuche, das Missverständnis aufzuklären, aber sie hält an ihrer Behauptung fest. Warum quält sie sich selbst?

* Der „übliche“ hat eine Stimmbanderkrankung, und deshalb habe ich mich entschlossen, für ihn die Lesung zu lesen – sebstverständlich nachdem ich ihm das angeboten hatte, ansonsten halte ich mich an die Regel aus dem Vetus Ordo, dass der Chorraum den Männern vorbehalten ist. Das hier zu erklären reicht mein Verständnis dessen noch nicht aus und würde auch zu weit führen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


 

Evangelium des zweiten Sonntags nach Pfingsten

Lk 14, 16 – 24

Jesus erzählte folgendes Gleichnis: „Ein Mann veranstaltete ein großes Gastmahl und lud viele dazu ein. Als die Stunde des Mahles gekommen war, sandte er seinen Knecht aus, um den Geladenen zu sagen: Kommt! Alles ist schon bereit. Da fingen alle einmütig an sich zu entschuldigen. Der erste sagte zu ihm: Ich habe ein Landgut gekauft und muß hingehen, es zu besichtigen. Ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Ein anderer sagte: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und gehe hin, sie zu erproben. Ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Ein dritter sagte: Ich habe mir eine Frau genommen und kann deshalb nicht kommen. Der Knecht kam zurück und berichtete dies seinem Herrn. Da ward der Hausherr zornig und befahl seinem Knechte: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und hole die Bettler und Krüppel, die Blinden und Lahmen herein! Der Knecht meldete: Herr, es ist geschehen, wie du befohlen hast. Aber es ist noch Platz da. Da sprach der Herr zum Knecht: Geh hinaus an die Landwege und an die Gartenzäune und dränge alle hereinzukommen, dammit mein Haus voll wird. Ich sage euch aber, von jenen Männern, die geladen waren, soll keiner mein Mahl verkosten.“

Betrachtung zum Evangelium des zweiten Sonntags nach Pfingsten

Die christliche Kirche kann mit einem großen Gastmahle verglichen werden, zu welchem Viele geladen wurden. Aber wenige von den Geladenen nahmen Antheil, wegen des unordentlichen Hanges nach den irdischen Gütern und nach den Lüsten der Sinne, die den Geist des Menschen ganz unterjochen. Da rief nun Gott die, welche nie dachten, gerufen zu werden; er suchte jene auf, die ihn flohen; er bemächtigte sich derjenigen, die ihm widerstanden; er machte, daß ihn sogar seine Feinde liebten. O lasset uns ihm nachahmen! Verachtet Niemanden, da auch bei Gott kein Ansehen der Person gilt. Alle sind ihm wohlgefällig, die seinen Willen vollziehen und nach der Erkenntniß seines Reiches trachten. Die wir für gering achten, werden vielleicht in der Ewigkeit uns vorgezogen werden. — Auch das heilige Abendmahl ist ein herrlich großes Gastmahl, bei dem Jesus Christus, wahrer Gott und Mensch sich selbst uns zur Seelennahrung giebt. Hier werden wir an die Liebe Jesu erinnert; hier erhalten wir neue Kräfte, den Sünden zu widerstehen; hier sind wir alle Brüder, Gott gleich schätzbar, wenn wir alle gleich gut sind. Lasset uns daher oft mit der gehörigen Vorbereitung bei dem Tische des Herrn uns einfinden, auf’s Neue mit Jesus in Verbindung treten, und durch den würdigen Genuß seines Leibes und Blutes neue Kräfte sammeln, um seinem heiligen Beispiele nachzuahmen und seine göttliche Lehre gewissenhaft zu erfüllen!

Kirchengebet

O Herr, verleih, daß wir deinen heiligen Namen allezeit fürchten und lieben, weil Du jenen niemals deinen Schutz versagst, denen Du eine feste Liebe zu Dir eingeflößt hast. Amen.

Eugenie Roth, Das Mantilla-Experiment (3 von 4)


Mantilla with me

Mantillageschichten

Tag 5:

Ich besitze eine braune Mantilla für Advent und (Vor-) Fastenzeit, eine weiße für die übrigen (Sonn-) Tage. Werktags ist nur Gottesdienst bei besonderen Anlässen. Wie z. B. heute: Mitten in der „violetten  Kirchenjahreszeit“ (während der ich die braune Mantilla trage) wird ein „weißer“ Heiliger gefeiert: gebotener Festtag, d. h. Der Festtag hat die gleiche Wichtigkeit wie ein Sonntag.

Wie zu der Zeit, da ich begonnen habe, in die TLM zu gehen, bin ich auch jetzt – trotz aller äußerlichen Ruhe – nervös … ob wohl … denn heute sind wieder andere Gottesdienstbesucher da, und auch wieder eine andere Organistin. Hallo, Eugenie, das ist nicht wichtig! Du tust das um Gottes Willen! Sie werden sich noch daran gewöhnen … ja, das werde ich mir noch etliche Male sagen müssen! Aber ich bin dankbar, dass es die Mantilla gibt und dass ich die Möglichkeit habe, eine zu tragen … schon seit Jahren wünsche ich mir „irgendein“ Kleidungsstück, das ich nur beim Beten trage, oder zu besonderen Anlässen … obwohl ich die Mantilla im Grunde erst vor einigen Wochen kennengelernt habe. Dass man so etwas IRGENDWANN FRÜHER getragen hat, wusste ich ja von Bildern… aber heutzutage …

Tag 6:

Wieder ein außergewöhnlicher Tag, wieder Feier eines Heiligen mit der liturgischen Farbe weiß – und eigentlich Zeit für die weiße Mantilla. Aber ich denke nicht daran und greife zu Hause nach der braunen … UND heute ist ein fremder Priester da. Und heute singt die Schola nicht, ich sitze etliche Bänke weiter vorn, mitten im „Kirchenvolk“. Ja, doch, es ist alles noch gewöhnungsbedürftig. Die Mantilla setze ich erst auf, als die Glocke an der Sakristeitür den Beginn des Gottesdienstes ankündigt (husch, husch!!!). Ich bin schon weniger nervös als im ersten Gottesdienst, trotz meines Platzes recht weit vorn und trotz des fremden Priesters … Da ich die Mantilla ausschließlich für liturgishe Handlungen (Hl. Messe, Andacht, Anbetung etc.) nutzen möchte und es doch immer wieder einmal vorkommt, dass nochmal kurz etwas zu klären ist bezüglich des Gottesdienstverlaufs etc. – nicht nur die Schola musste neu aufgestellt werden wegen des Wegfalls wichtiger Mithelfer – möchte ich die Mantilla wirklich erst kurz vor Beginn der Liturgie auflegen um zu vermeiden, dass ich nach Auflegen der Mantilla noch einmal den Gottesdienstraum verlasse.

Nun erwarte ich nicht mehr, dass mich jemand wegen der Mantilla anspricht, inzwischen müsste das jeder gesehen haben. Das nimmt einen Großteil der Nervosität.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


Evangelium des heil. Fronleichnamsfestes

Joh 6, 56 – 59

Jesus sprach: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der Vater gesandt hat und ich durch den Vater lebe, so wird auch der, der mich ißt, durch micht leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, nicht wie das (Manna), das eure Väter gegessen haben, die gestorben sind. Wer dieses Brot ißt, wird leben in Ewigkeit.“

Betrachtung zum Evangelium des heil. Fronleichnamsfestes

Was der Heiland verheißen: „Ich bin das Brod des Lebens, das vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brode ißt, wird in Ewigkeit leben: und das Brod, daß ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich für das Leben der Welt darreichen werde. Wenn ihr das Fleisch des Menschen – Sohnes nicht esset und sein Blut nicht trinket, werdet ihr das Leben nicht in euch haben. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm, der hat das ewige Leben; denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Getränk.“ Joh. IV — das hat er beim letzten Abendmahle, dessen feierliches Andenken wir heute begehen, in Erfüllung gebracht, Brod in seinen Leib, Wein in sein Blut verwandelt, dies dem himmlischen Vater opfernd, seinen Aposteln zur Seelen-Speise reichend und ihnen befehlend, zu seinem Andenken dasselbe zu thun Luk. XXII., so daß wir Jesum anbeten im heiligen Altars-Sakramente gegenwartig mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut,

Kirchengebet

O Gott! der Du unter dem wunderbaren Geheimnisse das Gedächtniß deines Leidens hinterlassen hast; wir bitten Dich, verleihe, daß wir die hochheiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes also verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung in uns jederzeit erfahren mögen! Amen.

Litanei.

Herr, erbarme Dich unser!

Christus, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Christus, höre uns!

Christus, erhöre uns!

Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser!

Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser!

Gott heiliger Geist,

Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott,

Du lebendiges Brod, das vom Himmel herabsteiget,

Du verborgener Gott und Heiland,

Du Nahrung der Auserwählten,

Du Ruhm und Freude der Könige,

Du Lamm ohne Mackel,

Du Speise der Engel,

Du Krone der göttlichen Wunder,

Du überwesentliches Brod,

Du Wort, das Fleisch geworden, damit Du in uns wohnest.

Du immerwährendes und heiligstes Opfer,

Du Opfer der Anbetung und des Dankes,

Du Opfer der Versöhnung und Bitte für Lebendige und Verstorbene,

Du Brod des Lebens,

Du Kelch des Segens,

Du Geheimniß des Glaubens,

Du hochwürdigsteß Sakrament,

Du himmlisches Arzneimittel gegen die Sünden,

Du heiligstes Andenken des Leidens unsers Herrn,

Du besonderes Denkmal der göttlichen Liebe,

Du Arznei der Unsterblichkeit,

Du Geheimniß aller Frömmigkeit,

Du Stärkung heiliger Seelen,

Du Wegzehrung der Sterbenden in dem Herrn,

Du Pfand der zukünftigen Unsterblichkeit und Herrlichkeit,

Sey uns gnädig, verschone uns, o Herr!

Sey uns gnädig, erhöre uns, o Herr!

Von dem unwürdigen Empfange deines allerheiligsten Leibes und Blutes, bewahre uns, o Herr!

Von der Begierlichkeit des Fleisches,

Von der Hoffart des Lebens,

Von der Begierlichkeit der Augen,

Von aller Gelegenheit zur Sünde,

Durch jenes Verlangen, mit welchem Du das Osterlamm mit den Jüngern zu essen, Dich gesehnet,

Durch die höchste Demuth, mit welcher Du deinen Jüngern die Füße gewaschen,

Durch die inbrünstige Liebe, mit welcher Du dieses göttliche Sakrament eingesetzet hast,

Durch dein kostbares Fleisch und Blut, welches Du uns in diesem heil. Sakramente hinterlassen hast,

Durch die fünf Wunden deines heiligsten Leibes, die Du für uns erhalten,

Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns!

Daß Du in uns den Glauben, die Ehrerbietung und Andacht zu diesem hochheiligen Sakramente erhalten und vermehren wollest,

Daß Du uns zum öftern Empfange dieses heiligsten Altar-Sakramentes durch wahre Buße führen wollest,

Daß Du uns von aller Verstockung und Blindheit der Seele befreien wollest.

Daß Du uns In der Stunde unsers Absterbens mit dieser himmlischen Wegzehrung stärken wollest.

Daß Du uns zum Abendmahle des ewigen Lebens einführen wollest,

O Du Lamm Gottes (dreimal.)

Christus, höre uns!

Christus, erhöre uns!

Herr, erbarme Dich unser!

Christus, erbarme Dich unser!

Herr erbarme Dich unser!

Vater unser etc.

Gebet.

Herr Jesus Christus, Du Sohn des lebendigen Gottes! der Du aus dem Willen des Vaters unter Mitwirkung des heiligen Geistes, durch deinen Tod der Welt das Leben wieder gegeben hast:

befreie uns durch das hochheilige Geheimniß deines Leibes und Blutes von allen unsern Uebeln und Ungerechtigkeiten und mache, daß wir allzeitdeinen Geboten anhangen, und laß uns nie von Dir geschieden werden!

O Gott! der Du uns zu deinem Ebenbilde durch die Geheimniße und Gebote erneuerst; richte unsere Schritte auf deinen Weg und verleihe, daß wir die Gabe deiner Liebe, zu der Du uns Hoffnung gemacht hast, durch deine Güte kräftig erlangen mögen! Amen.

Eugenie Roth, Das Mantilla-Experiment (2 von 4)


Mantilla with me

Mantillageschichten

Tag 3:

Der Sonntag, an dem meine Freundin in „ihren“ Gottesdienst geht. Der Sonntag, an dem ich schon vor dem Gottesdienst die geweihten Mantillas in Händen halte. Am Vorabend habe ich vorsorglich die raue Haut an meinen Händen „gebändigt“, die den Mantillas durchaus gefährlich werden kann, denn sie sind aus einem sehr feinen Gewebe. Ich will mir doch Tipps holen, wie ich sie am besten aufsetze, dazu muss ich sie ja in die Hand nehmen.

Hmm … soll ich? Die Entscheidung fällt leicht. Natürlich! Einen Moment lang bin ich im Vorraum alleine, da nehme ich die braune Mantilla aus ihrer Hülle und setze sie mir auf den Kopf um zu sehen, ob ich die Pelikanschnäbel brauche oder ob die Mantilla auch ohne hält. Ergebnis: das bisschen „Stroh“ auf meinem Kopf hält die Mantilla so, wie ich sie aufsetze! Seidig weiches Haar hatte ich noch nie und diese Mantilla ist auch etwas steifer. Die Mantilla kann nicht herunterfallen.

An dieser Stelle möchte ich nun einige Punkte aus dem 50-Punkte Programm zur Mantilla (nenne ich das jetzt mal) erwähnen und mit meinen Erfahrungen vergleichen, die ich im ersten Gottesdienst mit Mantilla gemacht habe:

  1. Atmen Sie tief und regelmäßig, während Sie ihn auf Ihren Kopf legen.

Doch, ja, ich habe schon tiefer eingeatmet … das tut gut …

  1. Gehen Sie nervös in die Kirche.

Meine Nervosität war nicht so groß, wie ich es erwartet hatte, aber deutlich spürbar.

  1. Fühlen Sie sich sehr unsicher.

Unsicher war ich durchaus, aber ich hatte ja etwas „getrickst“ (wie, das erzähle ich gleich).

  1. Ziehen Sie an Ihrer Mantilla, um sicherzugehen, dass sie sicher sitzt, aber tun Sie es heimlich (WAS, WENN JEMAND ES SIEHT???)

So sicher, wie die Mantilla im Vorraum auf meinen Haaren gesessen hatte, war dies absolut NICHT notwendig und ich hatte keinerlei Bedürfnis, das zu tun.

  1. Schauen Sie um sich um zu sehen, ob die Leute Sie nun vollends verurteilen.

Auch dieses Bedürfnis war eher gering ausgeprägt, ich konnte mich, im Vergleich zu dem, was ich mir auf Grund der neuen und ungewohnten Situation erwartet hatte, gut auf den Gottesdienst konzentrieren. Einer gewissen Ablenkung ist der Mensch ja immer unterlegen, ich denke, die war nicht wesentlich größer als sonst.

  1. Seien Sie überrascht, dass sie es nicht tun.

Der einzige Anlass, dessentwegen mir etwas mulmig zu Mute war – der Gang nach vorne zur Kommunionbank. Wie viele der Gläubigen würden mich sehen – und nach dem Gottesdienst ansprechen???

  1. Seien Sie ein wenig enttäuscht, dass es die Leute nicht einmal berührt.

Nein, enttäuscht war ich nicht, eher etwas verwundert und dankbar.

Die Neigung der Mantilla zum Verrutschen war zu meiner höchsten Zufriedenheit getestet, ich steckte die Mantilla wieder gefaltet in die Tasche zu Schott und Gesangbuch (nicht in die Hülle, ich wollte sie ja zum Gottesdienst tragen) und setzte mich hinten neben die Orgel auf den gewohnten Platz. Der Rosenkranz wurde schon gebetet, es waren wohl noch 25 Minuten bis zum Beginn des Gottesdienstes. Wer in den Gottesdienstraum trat, musste mich sehen (zur Erinnerung: die Mantilla steckte noch in der Tasche).

Nach dem Ende des Rosenkranzgebetes bereitete ich die Orgel für den Organisten vor. Die Organisten kommen und gehen leider immer sehr knapp, da sie vorher und nachher in anderen Kirchen den Orgeldienst zu verrichten haben. Daher kommen sie manches Mal leider auch zu spät. Also macht immer vorher jemand die Orgel „startklar“.

Kurz vor dem Beginn des Gottesdienstes ein schneller Griff in die Tasche, Schott und Gesangbuch auf ihren Platz, ebenso die Mantilla. Im Vorraum gibt es keinen Spiegel, da hatte das ja (vermutlich, ich konnte es ja nicht sehen) auch auf Anhieb geklappt. Da huscht noch schnell eine Mitsängerin herein, die mich zuvor ohne Mantilla hatte sitzen sehen und fängt (zwar dem Ort ensprechend SEHR gedämpft, aber) prustend an zu lachen (nur gut, dass die Schola nicht im Chorraum sitzt … Niemand scheint das Lachen zu hören). Offensichtlich weiß sie überhaupt nicht, was das ist und was das bedeutet … (Schade!). Ich kannte die Mantilla bislang nur von Bildern, die wohl während Gottesdiensten aufgenommen worden waren … immerhin …

Gottesdienstbeginn. Vor dem Asperges stellt sich die Schola zum Singen auf. Nun sehen mich auch die anderen Scholasänger, die ansonsten vor mir ihre Plätze haben. Ich kann keine Reaktion erkennen, höchstens einen kurzen erstaunten Blick aus dem Augenwinkel. Den anderen scheint nichts aufzufallen.

Der Sakristan weiß, dass ich die geweihten Mantillas habe. Der Priester hat sie geweiht, und er wird wohl auch wissen, wem sie gehören (die Segnungen und Weihen geschehen hinter verschlossener Tür, da der Raum sehr kein ist. Wollte jeder dabei sein …). Bei der Verlesung von Lesung und Evangelium auf Deutsch sowie bei der Predigt steht der Priester dem Volk zugewandt. Es ist keine Reaktion auf seinem Gesicht erkennbar, man könnte denken, dass er kurz in meine Richtung schaut.

Beim Gang zur Hl. Kommunion nehme ich mir vor, mich auf das Geschehen zu konzentrieren – mein Gott möchte in mein Herz einziehen – die Menschen um mich herum sollten mich jetzt nicht interessieren. Und auch hier bin ich wohl nicht wesentlich mehr abgelenkt als sonst. Gott sei Dank!

Nach dem Gottesdienst habe ich gleich die Mantilla abgesetzt und eingepackt. Eine Gottesdienstbesucherin, der ich Mantillas gezeigt hatte, als ich sie zum Weihen mitgebracht hatte, und die wusste, dass ich die nun geweihten Mantillas wieder hatte, fragte mich vorwurfsvoll, warum ich sie denn nicht aufgesetzt hätte … So andächtig möchte ich auch Gottesdienst mitfeiern können, dass ich praktisch nichts sonst wahrnehme. Und ich habe bemerkt: die Mantilla hilft dabei! Der Segen macht’s!

Tag 4:

Heute wollte meine Freundin aus dem Osten mit mir zusammen in die TLM gehen, aber sie ist verhindert. Schade! Sonst wären wir zu zweit mit Mantilla gewesen.

Inzwischen hat sich wohl „herumgesprochen“, dass die eine aus der Schola … letzte Woche hat ja anscheinend (!?!) kaum jemand bemerkt, dass ich mit Kopfbedeckung im Gottesdienst war (das war von mir so beabsichtigt). Heute haben zwei aus der Schola schon etwas mehr hingeschaut, auch im „Kirchenvolk“ haben sich einige umgedreht. – Um zu sehen, ob ich heute wieder …? Hallo, Eugenie, das ist nicht wichtig! Du tust das um Gottes Willen! Sie werden sich noch daran gewöhnen – und für mich ist das ja auch neu. Letzte Woche war auch eine orthodoxe Organistin da, die ist das gewohnt. Heute hat jemand anders gespielt. So ein wenig „menschliche“ Unterstützung tut am Anfang doch sehr gut, das ist mir heute aufgefallen.

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe


 

Evangelium des Festes der heil. Dreifaltigkeit (zugleich 1. Sonntags nach Pfingsten)

Mt 28, 18 – 20

Jesus trat auf seine Jünger zu und sprach zu ihnen: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und lehret alle Völker: Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe. Seht, ichbin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“

Betrachtung zum Evangelium des Festes der heil. Dreifaltigkeit

Allerheiligste Dreieinigkeit! ich, dein unwürdigster Diener und geringstes Mitglied deiner Kirche, bekenne Dich, -Vater, Sohn und heiliger Geist. Ich glaube an Gott den Vater, der von Ewigkeit her von sich selbst ist; ich glaube an Gott den Sohn, der von Ewigkeit her von dem Vater gezeuget und in der Zeit Mensch geworden ist; ich glaube an den heiligen Geist, der von Ewigkeit her vom Vater und vom Sohne ausgeht und mit beiden angebetet und verherrlichet wird. Ich glaube an Dich, heiligste Dreieinigkeit! und bekenne, daß du dreifach bist in den Personen, einig aber in der Wesenheit, als wahrer, allmächtiger Gott in einer einfachen, geistigen, unsichtbaren und unendlichen Natur; daß Du ohne Mängel vollkommen, ewig ohne Zeit, das Leben ohne Tod, die Wahrheit ohne Irrthum bist; daß Du, überall gegenwärtig, ohne Ausdehnung Alles einschliessest, ohne Bewegung Alles übersteigest, ohne Anfang allen Dingen den Anfang gibst, ohne Veränderung alle veränderlichen Dinge erschaffest; daß Du in der Größe unendlich, in der Macht allmächtig, in der Güte der Höchste, in der Weisheit unschätzbar, erschrecklich in den Rathschlüssen, gerecht in den Urtheilen, in den Gedanken der Geheimste, wahr in den Worten, in den Werken heilig, in Barmherzigkeit überströmend, gegen Sünder der Geduldigste, gegen Büßende der Gütigste, daß Du unsterblich bist und in Dir selig. Den die Größe der Räume nicht vergrößert, die Enge nicht einschränket, dessen Wille nicht verändert, den weder Trauriges noch Freudiges verwirret, dem weder Vergessenheit etwas nimmt, noch Gedächtniß etwas gibt; dem das Vergangene nicht entgeht, noch das Zukünftige neu ist; dem weder der Ursprung einen Anfang, noch die Zeiten ein Zunehmen, noch ein Zufall ein Ende bringen kann; der vor immerwährenden, in immerwährenden und durch immerwährende Zeiten und in Ewigkeit lebet: Dir, o dreieiniger Gott, ist stetes Lob und ein ewiges Reich! Amen.

Kirchengebet

Allmächtiger, ewiger Gott! Der Du uns, deinen Dienern, die Gnade verliehen hast, die Herrlichkeit der heiligen Dreieinigkeit im Bekenntniße des wahren Glaubens zu erkennen und in der Macht der Herrlichkeit die Einigkeit anzubeten: wir bitten Dich, daß wir Kraft dieses Glaubens von allen Widerwärtigkeiten allzeit geschützt werden, durch Christus unsern Herrn. Amen.

Kirchengebet

(für den 1ten Sonntag nach Pfingsten.)

Gott, du Stärke derer, die auf Dich hoffen, sey gnädig unsern Bitten! und weil ohne Dich die sterbliche Schwäche nichts vermag, sende die Hilfe deiner Gnade, daß wir in Ausübung deiner Gebote Dir durch Gesinnung und Handlung gefallen! Amen.

Andacht zu Gott dem Vater.

Dir, o Herr und heiligster Vater! Der Du mich aus Nichts zu deinem Ebenbilde erschaffen hast, opfere ich mich auf; denn der Leib ist das Werk deiner Hände und die Seele athmet von deinem Geiste. Was ich immer Gutes thun kann, thue ich nicht ohne Dich; thue ich aber etwas Böses, dieses ist allein mein. Weil Du mir aber einen freien Willen gegeben hast, opfere auch ich diesen Dir, o Vater! Es walte in mir dein göttlicher Wille, den ich nie übertreten will. Du, o Vater! willst, daß die an deinen Sohn glauben, nicht zu Grunde gehen, sondern das ewige Leben haben. Richte daher unsere Schritte auf die Wege, die uns durch deine Gebote vorgezeichnet sind, und verleihe uns die Gnade, daß Du allezeit mit uns seyest und uns zu Dir ziehest. Herr, ich bin zur Strafe bereit; dein Wille geschehe! Nimm meine Sünden von mir und züchtige meinen Leib! Gieb mir das Kreuz zu tragen, nicht welches ich will sondern das Du willst. Tödte ab alle meine Sinne nach dem Wohlgefallen deines göttlichen Willens, und bessere mich so, daß ich Dich nie mehr beleidige! Nimm auf, o Herr, heiligster Vater, diese meine Aufopferung, die ich Dir mit vertrauendem Herzen darbringe und gib, daß ich allzeit in dir sey, weil Dir außer Dir Nichts gefällig ist. Amen.

Litanei zu Gott dem Vater.

Herr, erbarme Dich unser!

Christe, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Gott Vater vom Himmel,

Gott Sohn, Erlöser der Welt,

Gott heiliger Geist,

Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott,

Vater, der Du bist in den Himmeln,

Du Vater unsers Herrn Jesus Christus,

Du Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,

O Vater! wir haben gesündigt in dem Himmel und vor Dir,

O Vater, ein gebenedeiter Gott in Ewigkeit,

O Vater, der Du im Geist und in der Wahrheit anzubeten bist,

O Vater, ohne welchen keiner den Sohn erkennt!

O Vater der Herrlichkeit, Herr des Himmels und der Erde,

Der Du den Sohn in die Welt gesendet hast,

Der Du uns zu Kindern aufgenommen vor dem Anfange der Welt,

Der Du die Geheimnisse den Selbstweisen und Stolzen verborgen und sie den Kleinen geoffenbaret hast.

Der Du uns gesegnet hast mit allem geistlichen Segen in den himmlischen Gaben,

Der Du uns die Sünden vergibst,

Der Du uns erwählet hast, daß wir heilig und unbefleckt seyen vor deinem Angesichte,

Der Du den guten Geist vom Himmel gibst denjenigen, die Dich um denselben bitten,

O Vater des Lichts, von welchem alles Gute kommt,

Der Du die Sonne über die Guten und Bösen aufgehen lassest,

Der Du den Regen über die Felder der Gerechten und Ungerechten herabträufeln lassest,

Der Du alle Haare unsers Hauptes gezahlet hast,

Der Du die Welt so geliebt, daß Du deinen eingebornen Sohn dahin gegeben hast.

Der Du mit feierlicher Stimme vom Himmel Jesum als deinen geliebten Sohn verkläret hast,

Dessen Angesicht allzeit die Engel im Himmel anschauen,

Der Du uns eine so große Liebe gegeben hast,

daß wir deine Kinder heißen und sind,

Der Du über Alle, und durch Alles, und in uns Allen bist,

Der Du deinen Auserwählten vor Anfang der Welt das Reich zubereitet hast,

O Vater der Waisen und Beschützer der Wittwen,

Der Du ohne Ansehung der Person nach eines Jeden Werken richtest.

In dessen Hause viele Wohnungen sind,

O gütigster Vater, der Du geduldig bist und von großer Erbarmung,

Sey uns gnädig, verschone uns, o Herr!

Sey uns gnädig, erhöre uns o Herr!

Von allem Uebel, erlöse uns, o Herr!

Von der Gewalt des Teufels, – erlöse uns, o Herr!

Von aller Gelegenheit der Sünde,

Von Zorn, Haß und allen bösen Willen,

Von den nahenden Gefahren der Sünde,

Von allen Feinden des Leibes und der Seele,

Von Geringschätzung deiner Gnade,

Von der ewigen Verdammniß,

Durch deine allerhöchste Erkenntniß, mit der Du die Abgründe überschauest,

Durch deine unermeßliche Allmacht, mit welcher Du Alles aus Nichts erschaffen.

Durch deine huldreiche Vorsehung, mit welcher Du alle Dinge regierest,

Durch deine ewige Liehe, mit welcher Du die Welt geliebt hast.

Durch deine unendliche Barmherzigkeit, mit der Du alle Dinge erfüllest,

Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns!

Daß dein Name allzeit und überall geheiliget werde.

Daß Du uns dein Reich zukommen lassest,

Daß allzeit dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden,

Daß Du unser tägliches Brod uns heute geben wollest,

Daß Du uns von allem Uebel befreien wollest,

Daß wir, was wir getreu bitten, kraftig erlangen mögen,

Vater! im Namen deines Sohnes,

O Du Lamm Gottes, (dreimal.)

Versöhne uns den Vater!

Gib uns den Zugang zum Vater!

Nach diesem Elend zeige uns den Vater!

Heiliger Vater, erhöre uns!

Gerechter Vater, erhöre uns!

Herr, erbarme Dich unser!

Christus, erbarme Dich unser!

Herr! erbarme Dich unser!

Vater unser etc.

Gebet

O Gott! der Du die Gemüther der Gläubigen Eines Willens machest; gieb uns jenes zu lieben, was Du gebietest, jenes zu verlangen, was Du versprichst, damit unter diesen irdischen Veränderungen unsere Herzen dahin verlangen mögen, wo die wahren Freuden sind! Durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen.

Andacht zu Gott dem Sohne.

O Jesus! Du ewiger Sohn Gottes, in der Zeit aber auch Sohn der Jungfrau Maria! erbarme Dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit und wasche ab meine Sünden und Missethaten durch dein kostbares Blut und wende deine Augen auf mich, sündigen Menschen, der ich demüthig um Verzeihung meiner Sünden bitte!

Gieße mir ein deine Gnade, deine Weisheit, Liebe, Keuschheit, Geduld, Demuth und Sanftmuth, damit ich Dich vollkommen lieben und loben, Dir dienen, in Dir mich rühmen und freuen könne, mit allen denen, welche auch deinen heiligen Namen anrufen, der da ist Jesus, Heiland, Amen.

Litanei.

Herr, erbarme Dich unser!

Christus, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Jesus Christus, höre uns!

Jesus Christus, erhöre uns!

Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser!

Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser!

Gott heiliger Geist, erbarme dich unser!

Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser!

Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich unser!

Jesus, Du Sohn der Jungfrau Maria,

Du vollkommenster und heiligster Jesus,

Du mächtigster und wunderbarster Jesus,

Du holdseligster und liebenswürdigster Jesus,

Jesus, glänzend über alle Sterne,

Jesus, klarer als die Sonne,

Du demüthigster und sanftester Jesus,

Du gehorsamster und geduldigster Jesus!

Jesus, unsere Freude und Liebe,

Jesus, Du König des Friedens,

Jesus, Du Spiegel heiligen Lebens,

Jesus, Du Eiferer für alle Seelen,

Jesus, unsere Zuflucht,

Jesus, Du Helfer der Armen,

Jesus, Du Tröster der Angefochtenen,

Jesus, Du Schatz der Gläubigen,

Jesus, Du guter Hirt,

Jesus, Du wahres Licht der Welt,

Jesus, Du ewige Weisheit,

Jesus, Du unendliche Güte,

Jesus, Du unendliche Gerechtigkeit

Jesus, der Du uns liebest,

Jesus, Du Heitand der Welt,

Jesus, Du Mittler zwischen Gott und den Menschen,

Jesus, Du Freude der Engel,

Jesus, Du König der Patriarchen,

Jesus, Du Erleuchter der Propheten,

Jesus, Du Meister der Apostel,

Jesus, Du Lehrer der Evangelisten,

Jesus, Du Starke der Martyrer,

Jesus, Du Licht der Beichtiger,

Jesus, Du Freude der Jungfrauen,

Jesus, Du Krone aller Heiligen,

Sey uns gnädig, verschone uns, O Jesus!

Sey uns gnädig, erhöre uns, O Jesus!

Bon allem Uebel, erlöse uns, O Jesus!

Von aller Sünde,

Von aller Gefahr,

Von deinem Mißfallen,

Von den Nachstellungen des Teufels,

Von Pest, Hunger und Krieg,

Von Übertretung deiner Gebote,

Von dem ewigen Tode,

Durch deine reinste Empfangniß,

Durch deine heilige Menschwerdung,

Durch deine heilige Geburt,

Durch deine heilige Beschneidung,

Durch deine Taufe und dein heiliges Fasten,

Durch deine heilige Mühe und Arbeit,

Durch deine schmerzhafte Geißlung und Krönung,

Durch deinen heiligen Tod,

Durch deine heilige Auferstehung,

Durch deine wunderbare Himmelfahrt,

Durch deine Glorie und Herrlichkeit,

Durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau, deiner heiligen Mutter,

Durch die Fürbitte aller deiner Heiligen,

O Du Lamm Gottes, (dreimal.)

Christus, höre uns!

Christus, erhöre uns!

Herr, erbarme Dich unser!

Christus, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Vater unser etc. etc.

Gebet.

Allmächtiger, ewiger Gott! der Du durch den glorwürdigsten Namen deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, die Herzen aller Gläubigen mit Trost und Süssigkeit erfüllest und alle bösen Geister erschreckest; verleihe gnädig, daß alle, die diesen heiligen Namen allhier auf Erden andächtig verehren, die unaussprechliche Freude und Seligkeit erlangen in den Himmeln! Durch eben diesen Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.

Andacht zu Gott dem heiligen Geiste.

Wir bitten Dich, o Herr, allmächtiger Gott, laß die Kraft des heiligen Geistes bey uns seyn, welche sowohl unsere Herzen gütig reinige, als uns vor allen Widerwärtigkeiten beschütze! Amen.

Litanei.

Herr, erbarme Dich unser!

Christus, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Christus, höre uns!

Christus, erhöre uns!

Gott Vater vom Himmel,‘

Gott Sohn, Erlöser der Welt,

O Geist der Wahrheit, der Weisheit und des Verstandes,

O Geist der Stärke und der Gottseligkeit,

O Geist des guten Rathes und der Wissenschaft,

O Geist der heiligen Furcht,

O Geist der Liebe und des Friedens,

O Geist der wahren Freude,

O Geist der Milde und Güte,

O Geist der Geduld, der Langmut und Sanftmut,

O Geist des Glaubens und der Hoffnung,

O Geist der Eingezogenheit und Keuschheit,

O Geist des Gewissens,

O Geist der Demuth und Bescheidenheit,

O Geist des Lebens und des Heiles,

O Geist der manigfaltigen Gnade zur Aufnahme und Auferstehung der Kinder Gottes,

Du Erneuerer unserer Seelen,

Du Regierer und Heiligmacher der katholischen Kirche,

Der Du, o Gott! Herzen und Nieren durchforschest,

Du Erwecker guter Gedanken, Gefühle und Entschlüsse,

Du sicherer Schutz in aller Widerwärtigkeit,

Du Süßigkeit derer, die deinen Dienst beginnen,

Du Kraft derer, die in demselben zunehmen,

Du Freude der Engel,

Du Erleuchter der Patriarchen,

Du Mund und Weisheit der Apostel,

Du Sieg der Märtyrer,

Du Wissenschaft der Beichtiger,

Du Reinigkeit der Jungfrauen,

Du Salbung aller Heiligen,

Sey uns gnädig, verschone uns, o heiliger Geist!

Sey uns gnädig, erhöre uns, o heiliger Geist!

Von allem Uebel, erlöse uns, o heiliger Geist!

Von aller Sünde,

Von allen Versuchungen des Teufels,

Von aller Vermessenheit und Verzweiflung,

Von Widerstrebung gegen die erkannte Wahrheit,

Von dem Neide wegen fremder Gnade,

Von aller Halsstarrigkeit und Unbußfertigkeit,

Von aller Trägheit und Verdruß im göttlichen Dienste,

Von aller Unreinigkeit des Leibes und der Seele,

Von aller Trennung und allem Irrthum,

Von dem ewigen Tode,

Durch dein ewiges Hervorgehen aus dem Vater und dem Sohne,

Durch die wunderbare Empfängniß des Sohnes Gottes,

Durch dein Herniederschweben vom Himmel über Jesus bei seiner Taufe,

Durch deine gnadenvolle Ankunft über die Jünger des Herrn,

Am Tage des Gerichtes,

Wir armen Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns!

Daß Du unser schonest,

Daß Du alle Glieder der Kirche in Gott beleben und heiligen wollest,

Daß Du uns mit deiner Gnade zum Guten anregen, unterstützen und vollenden wollest,

Daß Du uns die Gabe der wahren Gottseligkeit, des Gebetes und der Andacht geben wollest.

Daß Du alle unsere Gedanken, Worte und Werke zu Dir richten und heiligen wollest,

Daß Du uns wahre Demuth und Festigkeit in allen Tugenden geben wollest,

Daß Du in uns die Liebe der Armuth vermehren wollest,

Daß Du die Gabe der Sanftmut in uns einpflanzen wollest.

Daß Du uns die Gabe der Thränen über unsere Sünden geben wollest,

Daß Du uns stets nach der wahren Gerechtigkeit zu streben verleihest,

Daß Du in uns wahre Antriebe der Liebe und Barmherzigkeit erwecken wollest,

Daß Du einen neuen Geist und ein reines Herz in uns erschaffen wollest,

Daß Du uns in Leiden wegen der Gerechtigkeit stärken mögest,

Daß Du uns in deiner Gnade bestätigen wollest,

Daß Du uns erhören wollest,

Heiliger Geist Gottes!

O Du Lamm Gottes, «. (dreimal.)

Gieße über uns aus den heiligen Geist

Sende uns den versprochenen Geist des Vaters!

Gieb uns den guten Geist!

O heiliger Geist, höre uns!

O Geist, Du Tröster, erhöre uns!

Herr, erbarme Dich unser!

Christus, erbarme Dich unser!

Herr, erbarme Dich unser!

Vater unser.

Gebet.

O Gott! der Du durch Erleuchtung des heiligen Geistes die Herzen der Glaubigen gelehret hast; gieb, daß wir durch denselben heiligen Geist verstehen, was recht ist, und seines Trostes uns allzeit erfreuen.

Allmächtiger, ewiger Gott! durch dessen Geist die ganze Kirche geheiligt und regieret wird, erhöre uns, die wir demüthig bitten, damit durch die Gabe deiner Gnade Dir von allen Standen getreu gedienet werde. Amen.

Ehre sey Gott dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste!

Der gläubigen Abgestorbenen Seelen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden! Amen.

Eugenie Roth, Das Mantilla-Experiment (1 von 4)


Mantilla with me

Mantillageschichten

Wir sind dazu übereingekommen unserer Mitarbeiterin Eugenie Roth in einem polnischen online-shop zwei Mantillas zu kaufen, eine braune für die Advents- und Fastenzeit und die gewöhnlichen Sonntage und eine weiße für die hohen Feste, die Weihnachts- und Osterzeit. Ja, soviel Liturgie muss sein! Eugenie Roth sollte das Mantilla-Experiment absolvieren und ihre Eindrücke des Selbstversuchs dokumentieren. Hier sind sie: ehrlich und frisch. Sicherlich werden sich viele Leserinnen und wie wir hoffen künftige Mantilla-Trägerinnen damit identifizieren können. Es bleibt an dieser Stelle zu sagen:

Wenn Sie etwas selbstbewußt genug tragen, dann werden es die Menschen nach einer Zeit akzeptieren, es als normal empfinden und sich nach einiger Zeit die Frage stellen, warum sie selbst es nicht tragen.

Die Tugend des Muts kann man nur bei Widerständen gewinnen und das Leben ist halt ein Kampf. Die Mantilla ist ein Sakramentale, sie ärgert den Teufel und würden Sie einen Bottich bei der Heiligen Messe auf dem Kopf tragen, wohlgemerkt zu einer Lederjacke und Springerstiefel, so würde diese Aufmachung die Menschen weniger stören als eine Mantilla, vor allem die Frauen. Es gibt eine Comic-Geschichte vom Häger dem Schrecklichen, wo Häger, Helga – seine Frau – und sein Freund Sven Karten spielen.

„Ich habe einen König“, sagt Sven, „ich gewinne.“

„Pech gehabt“, sagt Helga, „ich habe eine Dame!“

„Wenn Helga mitspielt, schlägt die Dame alles“, erläutert Häger.

Und in diesem Sinne: Durchhalten!

Tag 1:

Die Mantillas sind da! Eine braune für den „Alltag“, eine weiße für die kirchlichen Feiertage, so hatte ich mir das gedacht. Vorschriften dazu gibt es nicht. Ich zeige sie einem Bekannten, der von Beruf Schneider ist. Die Qualität sei sehr gut, meint er. Zu Hause werden sie fotografiert und wieder in die Schutzhüllen gesteckt. Nun warte ich auf den einen Tag im Monat, an dem Kerzen und Sakramentalien geweiht werden. Ich nehme mir vor, die Mantillas am großen Feiertag in einigen Wochen das erste Mal zu tragen. Der Anblick meines Gesichtes, umrahmt von einer Mantilla, wird ungewohnt sein, ich muss mich erst an den Gedanken gewöhnen. Nein, ich setze sie mir nicht auf den Kopf. Heute noch nicht. Wenn sie geweiht sind, werde ich sie meiner Nachbarin zeigen, die hat einen guten Geschmack und kann mir sicherlich sagen, wie ich sie am besten aufsetze. Für so etwas habe ich keinen Blick und bei ihr bin ich sicher, keinen unangenehmen Kommentar zu hören, denn sie ist nicht katholisch und steht dem allem neutral gegenüber.

Tag 2:

Ich frage meine Freundin aus dem Osten (auch katholisch wie ich), ob sie gewohnt ist, eine Mantilla zu tragen. Ja, sagt sie, bei Ihnen zu Hause ist das selbstverständlich, und wenn hier Gottesdienst in der Muttersprache ist, setzt sie diese auch auf. Nein, nicht in den deutschen Gottesdiensten, die sie sonst besucht, da bleibt die Mantilla zu Hause. …  Ob ich ihr denn zeigen könne, wo man Mantillas kaufen kann, sie möchte gerne noch eine haben. Als ich ihr im Internet die Mantillas zeige, die ich geschenkt bekam (ohne dies zu erwähnen), sagt sie, nein solche Mantillas möchte sie nicht, die sind ihr zu billig (pro Stück deutlich weniger als 20 € umgerechnet), sie hat eine solche (vergleichbare, hat wohl an die 100 € gekostet), und so eine ähnliche möchte sie sich noch kaufen. – So viel Geld möchte sie dafür ausgeben? Ja, denn so etwas kauft man nur einmal und schließlich ist das für Gott! – Ob ich eine Mantilla habe? Ich weiche aus und sage, dass mir ein Freund die Links geschickt hat, über die wir auf die Seiten gekommen sind. Ich möchte sie überraschen.

Schon vor einiger Zeit habe ich sie eingeladen, mit mir in die TLM zu gehen, nun sagt sie mir zu, dass sie übernächsten Sonntag mit mir gehen wird. Nächsten Sonntag ist Gottesdienst in der Muttersprache, den besucht sie natürlich lieber … und da tragen alle Frauen eine Mantilla, wie sie das von zu Hause gewöhnt ist.